Moskau sieht sich als Opfer von Cyberspionage

31. Juli 2016, 16:45
12 Postings

Nach dem Hackerangriff auf die US-Demokraten, in den der russische Geheimdienst verwickelt sein soll, beklagt dieser nun selbst zum Opfer geworden zu sein

Während sich die Hacker-Affäre im US-Wahlkampf immer stärker ausweitet, haben Cyberspione nun auch auf der anderen Seite des Großen Teichs zugeschlagen. Der russische Geheimdienst FSB teilte mit, auf den Computern und Servern von rund 20 Regierungseinrichtungen, Forschungszentren und Militärbetrieben eine Spionagesoftware entdeckt zu haben. Welche Strukturen konkret betroffen sind, ließ der FSB offen; es soll sich der Pressemitteilung zufolge aber um hochsensible "Infrastrukturobjekte von höchster Wichtigkeit" handeln.

Die Viren wurden demnach individuell für jedes Angriffsobjekt erstellt und mit E-Mails verschickt. Sie seien in der Lage, den Traffic abzugreifen, aber auch Screenshots zu erstellen, Web-Kameras oder eingebaute Mikros selbstständig einzuschalten, Video- und Audiodateien oder gewählte Tastenkombinationen zu speichern. Der FSB sprach von einer "gezielten Hacker-Attacke".

Täter oder Opfer

Auch die Handschrift der Hacker will der Geheimdienst schon erkannt haben. Die Viren seien "von der Stilistik ihrer Programmierung, den Benennungen der Dateien, den Nutzerparametern und den Methoden, wie sie infizieren, ähnlich der Software, die in früheren aufsehenerregenden Fällen von Cyberspionage entdeckt wurden", so der FSB.

Laut diesen Formulierungen ist die russische Führung damit Opfer der gleichen Täter geworden wie zuvor die Parteispitze der Demokraten in den USA. Der Version widerspricht allerdings der Chef des Duma-Ausschusses für Sicherheit und Korruptionsbekämpfung Dmitri Gorowzew, der die Spionageattacke als Angriff der USA auf die russische Sicherheit bezeichnete. "Es ist offensichtlich, dass dies Ausdruck der verstärkten Spionagetätigkeit gegen unser Land ist, die von den USA betrieben wird", sagte Gorowzew, der den Angriff als Ausdruck wachsender Nervo sität in Washington angesichts "des steigenden Potenzials unserer Streitkräfte" sieht.

Cyberkrieg schon angedroht

Tatsächlich ist die "russische Gefahr" derzeit im US-Wahlkampf präsent. Dort werden nämlich FSB und Russlands Militärgeheimdienst GRU als Hintermänner für die Hackerangriffe auf die Demokratische Partei verantwortlich gemacht, die zum Teil brisante Absprachen zugunsten der Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton innerhalb der Parteiführung offenlegten.

Am Freitag hatte der seit Wochen gärende Skandal eine Fortsetzung erfahren, als bekannt wurde, dass das Wahlkampfkomitee der Demokraten im Repräsentantenhaus ebenfalls Opfer der Angriffe geworden sei.

Mit eigenen Waffen schlagen

Aus dem US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) verlautete bereits, dass die Agentur nun dabei sei, russische Hackergruppen mit den eigenen Waffen zu schlagen und sie ebenfalls zu hacken, um ihre Verwicklung in den E-Mail-Skandal der Demokratischen Partei zu überprüfen.

In dem Fall ergriff sogar Whistleblower Edward Snowden Partei für die NSA: Die Freiheit der Information sei zwar ein wichtiges Recht, trotzdem sei die unredigierte Veröffentlichung des E-Mail-Verkehrs durch Wikileaks ein Fehler gewesen, meinte Snowden. (André Ballin aus Moskau, 1.8.2016)

  • In den USA wie auch in Russland schlagen wieder vermehrt Hacker zu. Die Folge: Man verdächtigt sich gegenseitig.
    foto: reuters / kacper pempel

    In den USA wie auch in Russland schlagen wieder vermehrt Hacker zu. Die Folge: Man verdächtigt sich gegenseitig.

Share if you care.