Registrierkasse bleibt noch länger "Stresspartie"

1. August 2016, 12:07
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Nach Lieferengpässen droht beim Umrüsten auf Manipulationsschutz der nächste Stau

Wien – Seit Jahresbeginn hätte sie gelten sollen, seit Anfang Mai gilt sie nach einer Verschiebung tatsächlich, seit Anfang Juli wird sie von den Finanzbehörden auch exekutiert: Fristen spielen bei der nach wie vor umstrittenen Registrierkassenpflicht eine wichtige Rolle. Und es kommt eine weitere auf die betroffenen Unternehmen zu. Mit 1.4.2017 muss nämlich jede in Betrieb stehende Kasse einen technischen Manipulationsschutz aufweisen. Das heißt, es wird dann nicht mehr möglich sein, einmal eingegebene Umsätze zu löschen oder nachträglich zu verändern. Bisher gilt für Unternehmen, die bestimmte Umsatzgrenzen überschreiten, dass sie zwar eine Kasse benutzen müssen, nicht aber, dass diese auch garantiert manipulationssicher ist.

Das Ganze beruht auf einer Software, die einen eingegebenen Barumsatz mit dem vorherigen verkettet, sodass ein fehlender bei Betriebsprüfungen sofort erkannt wird.

Anmeldung bei Finanz online

Den Beginn der Aufzeichnungen markiert die Anmeldung der Kasse über Finanz online. Obwohl der verpflichtende Manipulationsschutz ursprünglich mit Anfang 2017 hätte gelten sollen, ist diese Anmeldung aber noch immer nicht möglich. Unternehmer können das frühestens Ende August machen.

Dass es wie bei der Registrierkassenpflicht an sich auch hier zu einer Fristverlängerung – eben um vier weitere Monate bis April 2017 – gekommen ist, war vor allem dem Druck der Wirtschaftskammer (WKO) geschuldet. Ihr Hauptargument: Die Vorgaben des Finanzministeriums seien zu kurzfristig angesetzt worden, sodass die Kassenhersteller ihre Software nicht rechtzeitig hätten umprogrammieren können.

Knapp bemessene Zeit

Für Martin Zandonella vom für die Softwareanbieter zuständigen Fachverband bei der WKO ist die Zeit trotz der Verlängerung knapp bemessen: "Das wird noch mal eine echte Stresspartie." Auch andere Experten rechnen damit, dass die große Mehrheit der Anmeldungen erst knapp vor Ende der Frist Anfang April erfolgen wird.

Schon bei anderen Fragen rund um die Registrierkassenpflicht hat die Kammer kritisiert, dass Einführung und Abstimmungsprozess viel zu überstürzt erfolgt seien.

Diesmal kommt der Stress nicht in erster Linie auf die Unternehmer zu, die sich eine Kasse angeschafft haben, sondern auf die Kassenhersteller. Einziger Zusatzaufwand für die Endkunden: Die Erstanmeldung der Kasse über Finanz online. Aber auch das dürften Unternehmer in den meisten Fällen nicht selbst machen, sondern lagern es an ihren Steuerberater aus.

Umstrittener Zusatzaufwand

Laut Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Sparte Handel in der WKO, dürfte die Anmeldung für Unternehmer in Abstimmung mit den Kassenanbietern und Steuerberatern "keine große Hexerei" werden. Bei aufwendigeren Systemen mit mehreren Kassen habe man wohl ohnehin einen IT-Experten bei der Hand.

Markus Knasmüller, Leiter des Arbeitskreises Kassensoftware bei der WKO und Entwicklungsleiter bei der Softwarefirma BMD, sagt hingegen zum STANDARD, dass das Prozedere für kleine Unternehmen, die oft weder einen Steuerberater noch einen Zugang zu Finanz online hätten, einen beträchtlichen Aufwand bedeutet. Die Anmeldung sei in der Praxis nicht ganz so einfach wie vom Ministerium kommuniziert. Bei der Erfassung müssen gewisse Daten über die Sicherheitseinrichtung eingegeben werden – für nicht IT-affine Menschen keine Selbstverständlichkeit.

Probleme mit alten Kassen

Ein größeres Problem dürfte aber die Installierung des technischen Manipulationsschutzes bei alten Kassen werden. Das betrifft erstens Geräte, die seit Bekanntwerden der Registrierkassenpflicht neu angeschafft wurden. So gut wie alle Hersteller haben eine Garantie abgegeben, ein Update für die Software zu liefern, sobald die endgültigen Spezifikationen für den Manipulationsschutz vorhanden sind. Diese Vorgaben sind aber noch immer nicht verlautbart, die Hersteller können also mit dem Umrüsten erst ab Herbst beginnen. Es drohen neuerliche Verzögerungen, weil die Umrüstung aller Geräte auf einen Schlag kaum zu bewältigen ist.

Schwierigkeiten kommen zweitens auf viele jener Betriebe zu, die ein altes Kassensystem in Gebrauch haben. Nicht jede Software kann umprogrammiert werden, auch weil viele Modelle heute gar nicht mehr hergestellt werden. Wer also eine neue, manipulationssichere Kasse kaufen muss, hat mit Kosten und Zeitaufwand zu rechnen. Andere Geräte lassen sich zwar updaten, das kann aber teuer werden. Wie hoch der Anteil der nicht aufrüstbaren Geräte ist, dazu gibt es keine Zahlen.

Weniger Beschwerden

Auch wenn es laut Handelssprecherin Thalbauer weniger Beschwerden als noch vor ein paar Monaten gebe, warten andere Betriebe auch noch immer auf bereits bestellte Kassen – obwohl sie längst über den Umsatzgrenzen liegen. Hier dürfte die Finanz im Fall einer Prüfung und Glaubhaftmachung der Bestellung Kulanz walten lassen. Im Finanzministerium will man das nicht bestätigen, die Prüfpraxis sei dieselbe wie schon vor der Registrierkassenpflicht. Zusätzlich geprüft wird nur, ob eine Kasse vorhanden ist. Für eine erste Zwischenbilanz zu verhängten Strafen wegen nicht vorhandener Geräte sei es übrigens noch zu früh, sagt eine Sprecherin. (Simon Moser, 1.8.2016)

  • Wien, Naschmarkt: Noch immer haben nicht alle Betriebe eine Registrierkasse.
    apa / herbert neubauer

    Wien, Naschmarkt: Noch immer haben nicht alle Betriebe eine Registrierkasse.

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