Serbien verzeichnet Änderung der Route von Flüchtlingen

31. Juli 2016, 13:54
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Behörden: Rückgang der illegalen Grenzübertritte; keine konkreten Zahlen – Minderjährige Schlepper festgenommen

Belgrad – Die serbischen Behörden haben eine Veränderung in der Flüchtlingsbewegung verzeichnet. Demnach würden zwar weniger Asylsuchende über Bulgarien, jedoch mehr über Mazedonien kommen, erklärte ein Verteidigungsministeriumssprecher am Sonntag. Insgesamt registrierten die Behörden nach eigenen Angaben einen Rückgang; konkrete Zahlen gibt es freilich keine.

Grund für diese Veränderung in der Flüchtlingsbewegung ist den Behörden zufolge die gemeinsame Überwachung der Grenzen durch Polizei und Militär seit rund zwei Wochen. Seit vorletztem Freitag seien 706 Flüchtlinge an der Grenze aufgehalten worden, weitere 131 Asylsuchende im Landesinneren, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Jovan Krivokapic.

Nach Schließung der Balkanroute im März reisten rund 85 Prozent der Schutzsuchenden über das EU-Land nach Serbien ein, der Rest kam über Mazedonien. Um die Öffnung neuer Flüchtlingswege zu verhindern, verstärkte Serbien zuletzt auch die Kontrollen an der Grenze zum Kosovo und zu Montenegro.

Ungarn setzt auf Abschreckung

"Es gibt keine Illegalen Grenzübertritte mehr in Ungarn"- das erklärte der Sicherheitsberater von Premier Viktor Orban, György Bakondi, am Samstagabend im ungarischen Staatsfernsehen. Die verstärkten Grenzschutzmaßnahmen hätten zudem einen Rückgang der Flüchtlingszahlen gebracht: Laut Bakondi sind die Zentren der Fremdenpolizei mit 41 und die Flüchtlingslager mit 60 Prozent ausgelastet.

Ungarn setzt in der Flüchtlingspolitik auf Abschreckung und wurde zuletzt aufgrund seines neuen Grenzschutzgesetzes international heftig kritisiert. Seit wenigen Wochen werden Asylsuchende nach Serbien oder Kroatien zurückgeschoben, wenn sie sich auf ungarischem Boden befinden, und zwar in einem Radius von bis zu acht Kilometern ab der Grenze.

Diese Abschiebungen werden von NGOs als völkerrechtswidrige "Push-backs" (Rückschiebung von Flüchtlingen ohne Einzelfallprüfung) kritisiert. Die ungarische Seite verweist stets darauf, dass diese Personen in den ungarischen "Transitzonen" an der Grenze ja regulär ein Asylgesuch stellen könnten. Die zwei Zonen nehmen jedoch pro Tag insgesamt nur 30 Personen auf.

Österreich entsandte indes in der vergangenen Woche die ersten der insgesamt 20 Polizisten nach Ungarn. Bis kommenden Montag (1. August) sollen alle Beamten an der ungarisch-serbischen Grenze im Einsatz sein. Die österreichischen Polizisten sollen als Unterstützung an den Grenzübergängen zu Serbien stehen, aber auch entlang der Grünen Grenze, also des 175 Kilometer langen Stacheldrahtzauns, patrouillieren.

6.000 Migranten seit Donnerstag im Mittelmeer gerettet

Die italienische Marine hat unterdessen neue Zahlen veröffentlicht: Seit Donnerstag wurden demnach 6.000 Migranten in Sicherheit gebracht. Auch zwei Leichen wurden geborgen. Bei einem Rettungseinsatz vor der Küste Libyens wurde ein Schlauchboot in Schwierigkeiten entdeckt. Fünf Menschen wurden im Meer gerettet, drei weitere konnten noch lebend in Sicherheit gebracht werden, während zwei weitere tot geborgen wurden, wie die Marine mitteilte.

Inzwischen sucht die Regierung in Rom weiter nach Unterkünften für Migranten. Dabei ist sie mit zunehmenden Widerständen konfrontiert. Die Bürgermeister von mehreren Städten in der norditalienischen Region Emilia Romagna, darunter jene von Modena, Ferrara und Reggio Emilia, appellierten an die Regierung, keine weiteren Migranten zu entsenden, weil die Flüchtlingslager überfüllt seien. "Unsere Region hat viel geleistet, aber wir können nicht für immer Migranten aufnehmen", sagte der Bürgermeister von Reggio Emilia, Luca Vecchi.

Italien versorgt zurzeit fast 120.000 Migranten in seinen Flüchtlingseinrichtungen. 89.000 Personen sind seit Anfang 2016 nach Seefahrten über das Mittelmeer in Italien eingetroffen. Im Vergleichszeitraum 2015 waren es 93.000 gewesen. 3.000 Migranten sind seit Jahresbeginn im Mittelmeer ums Leben gekommen, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) mitteilte. (APA, 31.7.2016)

  • Eine Aufnahme aus einem temporären Flüchtlingslager in Serbien von Mitte Juli. Die Zahlen der Menschen nehmen laut Auskunft der Behörden ab.
    foto: apa/afp/alexa stankovic

    Eine Aufnahme aus einem temporären Flüchtlingslager in Serbien von Mitte Juli. Die Zahlen der Menschen nehmen laut Auskunft der Behörden ab.

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