Freund von Kirchen-Attentäter in Genf festgenommen

31. Juli 2016, 12:03
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U-Haft für den 30-jährigen Verwandeten beantragt, 17-Jähriger an Paris ausgeliefert

Rouen/Genf – Der Cousin eines der islamistischen Angreifer aus einer französischen Kirche hat nach Angaben der Ermittler von einer bevorstehenden Gewalttat seines Verwandten gewusst. Die Pariser Staatsanwaltschaft beantragte am Sonntag Untersuchungshaft für den 30-Jährigen, wie die Behörde mitteilte. Sie wirft ihm Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung vor.

Der Mann habe nach dem derzeitigen Ermittlungsstand Kenntnis vom Vorhaben seines Cousins Abdel-Malik Petitjean zu einer unmittelbar bevorstehenden Gewalttat gehabt. Der in Nancy geborene 30-Jährige sollte im Laufe des Sonntags einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, um über die Eröffnung eines Anklageverfahrens zu entscheiden.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auch ein offizielles Ermittlungsverfahren zu dem Anschlag am vergangenen Dienstag eröffnet. Petitjean und sein Komplize Adel Kermiche hatten in einer Kirche in der Normandie Geiseln genommen und den 85 Jahre alten Priester ermordet, die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) beanspruchte die Tat für sich.

17-Jähriger ebenfalls verhaftet

Auch ein Minderjähriger, der mit einem der Angreifer auf eine Kirche in Nordfrankreich befreundet sein soll, ist in der Schweiz festgenommen worden. Der 17-Jährige wurde in Genf verhaftet und an Frankreich ausgeliefert, wie die Genfer Staatsanwaltschaft am Samstag mitteilte.

Der junge Mann sei am 20. Juli im Genfer Hauptbahnhof zusammen mit einer weiteren Person festgenommen worden, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Henri Della Casa. Er bestätigte damit einen Bericht der Westschweizer Zeitung "Tribune de Geneve".

Frankreich hatte für den Jugendlichen einen internationalen Haftbefehl ausgestellt. Der Genfer Staatsanwalt verhörte den 17-Jährigen, bevor dieser zusammen mit der anderen festgenommenen Person an Frankreich ausgeliefert wurde.

Der junge Mann habe erneut nach Syrien reisen wollen, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Personen, die mit der Untersuchung in Frankreich befasst sind. Er hatte demnach bereits 2015 versucht, von Genf nach Syrien zu reisen, damals gemeinsam mit Adel Kermiche, einem der Kirchenattentäter aus Nordfrankreich. Damals war der heute 17-Jährige in der Türkei festgenommen und zu seiner Familie zurückgebracht worden.

Der Minderjährige wurde von der französischen Anti-Terror-Staatsanwaltschaft wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung mit terroristischer Absicht angeklagt und in Untersuchungshaft genommen. Derzeit gebe es keinerlei Hinweise darauf, dass er etwas mit dem Attentat in Rouen zu tun habe, hieß es aus Justizkreisen in Frankreich.

Der 19-jährige Kermiche und sein gleichaltriger Komplize Abdel Malik Petitjean hatten am Dienstag nahe der nordfranzösischen Stadt Rouen während eines Gottesdienstes einem 86-jährigen Priester die Kehle durchgeschnitten und einen Gottesdienstbesucher schwer verletzt. Die Angreifer wurden von Polizisten erschossen. (APA/sda, 31.7.2016)

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