Iranischer Kurdenführer fordert Aufrollen von Ghassemlou-Fall in Wien

3. August 2016, 10:24
11 Postings

"Presse": "Österreich ist den Kurden im Iran noch etwas schuldig"

Teheran/Wien – Der Nachfolger des 1989 in Wien ermordeten iranischen Kurdenführers Abdul Rahman Ghassemlou hat Österreich aufgefordert, das Verfahren wieder aufzurollen und die Hintermänner im Iran zur Verantwortung zu ziehen.

"Damals hat Österreichs Regierung die Mörder ziehen lassen und damit gegen die Gerechtigkeit verstoßen. Seither ist klar: Österreich schuldet dem kurdischen Volk im Iran noch etwas", sagte Mustafa Hejri (Hijri), Generalsekretär der "Demokratischen Partei Kurdistans Iran" (PDKI) im Interview mit der "Presse" (Sonntag-Ausgabe). Das Gespräch wurde im Exil-Hauptquartier der PDKI nahe der nordirakischen Stadt Koya geführt.

Der damalige PDKI-Vorsitzende Ghassemlou hatte am 13. Juli 1989 mit Vertretern des iranischen Regimes in einer Wohnung in der Linken Bahngasse in Wien-Landstraße Friedensverhandlungen geführt. Während der Unterredung stürmte ein Killerkommando die Wohnung und erschoss Ghassemlou und zwei seiner Begleiter. Laut den Kurden war Ghassemlou vom iranischen Regime in einen Hinterhalt gelockt worden.

Die Tatverdächtigen tauchten in der iranischen Botschaft in Wien unter. Auf Druck aus Teheran durften sie schließlich in den Iran ausreisen. Die österreichische Polizei eskortierte sie zum Flughafen Wien-Schwechat. Ein Verfahren gegen die Tatverdächtigen wurde nie eingeleitet. Im November 1992 wurde die Amtshaftungsklage der Witwe Ghassemlous in Wien in dritter Instanz abgewiesen.

Kurdenführer Hejri sagt nun: "Wir wissen, dass Österreich einer der wichtigsten Geschäftspartner des Iran ist. Wir hoffen aber, dass Österreich nicht nur seine Geschäfte im Auge hat und Gerechtigkeit und Demokratie dem wirtschaftlichen Vorteil opfert: Wir erwarten vielmehr, dass Österreich seine Politik ändert und die Menschenrechte im Iran unterstützt."

Der Fall Ghassemlou "wird für uns niemals abgeschlossen sein", sagte er weiter. "Wir hoffen, dass die heutige österreichische Regierung dabei hilft, dass dieser Fall wieder aufgerollt wird. Die Ermittlungen müssen wieder aufgenommen und dürfen nicht so wie damals behindert werden. Und ein unabhängiges Gericht muss in der Sache urteilen." (APA, 30.7.2016)

Share if you care.