Stresstest: Entbehrliches Pingpong

Kommentar29. Juli 2016, 23:14
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Die Europäische Zentralbank fungiert als Hirte und Tränke zugleich

Wer erinnert sich noch an den Stresstest 2011? Als damals die größten europäischen Banken auf Herz und Nieren geprüft wurden, schnitt u._a. eine gewisse Dexia glänzend ab. Kurz darauf wäre das französisch-belgische Institut über den Jordan gegangen, hätte nicht der Steuerzahler das Fangnetz ausgeworfen. Die Anekdote soll Europas Bankenchecks nicht vorführen. Aber Tests basieren immer auf Annahmen, und deren Ergebnisse sind so realitätsnah wie die gewählten Szenarien.

Von Relevanz sind die Schlüsse aus der Zeugnisverteilung allemal, wobei ein weiteres Beispiel aufschlussreich erscheint: Beim Stresstest 2014 fielen neun italienische Banken durch. Jetzt stehen die Institute des Landes zwar laut Test etwas besser da. Der Sektor sitzt aber immer noch auf einem Berg von 360 Milliarden Euro fauler Kredite. Ein Geldhaus, die Monte dei Paschi, ist in katastrophalem Zustand. Seit 2014 ist wenig geschehen, um den italienischen Kreditapparat zu heilen.

Das hat mit jener Institution zu tun, die über den Banken wacht: Die Europäische Zentralbank fungiert als Hirte und Tränke zugleich. Mit immer höheren Geldspritzen hat sie dazu beigetragen, dass marode Institute weiterhin Probleme bereiten, anstatt das Zeitliche zu segnen. Und eben diese EZB ist es, die dann wegen erheblicher Risiken höhere Kapitalquoten vorschreibt. Ein mehr als entbehrliches Pingpongspiel. (Andreas Schnauder, 29.7.2016)

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