Hinkley-Point-Deal mit EDF verschoben

29. Juli 2016, 18:08
15 Postings

Nach dem Ja von dem französischen Energiekonzern vertröstet die britische Regierung auf Herbst. Zum Missfallen von Unternehmensverbänden

Paris/Wien – Die britische Regierung hat überraschend einen Deal mit dem französischen Energiekonzern EDF über den Bau des neuen Atomkraftwerks Hinkley Point verschoben. "Die Regierung wird jetzt sorgfältig alle Bestandteile dieses Projekts betrachten und ihre Entscheidung im frühen Herbst treffen", sagte Energieminister Greg Clark am Freitag.

Abends zuvor hatte der EDF-Verwaltungsrat nach langem Zögern dem Projekt zugestimmt. Dass nun die britische Regierung auf die Bremse tritt, verärgert Unternehmensverbände und Gewerkschaften auf der Insel, die sich von dem Projekt 25.000 neue Arbeitsplätze erhoffen.

Britische Medien spekulieren, dass Premierministerin Theresa May Kritikern nachgegeben haben könnte, denen die ausgehandelten Strompreise von rund 93 Pfund (rund 110 Euro) pro Megawatt-Stunde zu teuer sind.

Nuklearbranche ist verunsichert

Ist Hinkley Point C die "Zukunft der französischen Nuklearbranche" – oder ihr "Todesstoß"? In Frankreich lagen die Meinungen selten weiter auseinander als beim Grundsatzentscheid über den Bau eines französischen Druckwasserreaktors an der Südwestküste Englands. Einigkeit herrscht nur, dass die dritte Ausbaustufe der britischen Nuklearanlage pharaonischen Ausmaßes ist: Sie soll ab 2025 gut 3200 Megawatt Strom produzieren. Ihre Kosten nach jetzigem Stand: umgerechnet 21,5 Milliarden Euro.

Noch vor Wochenfrist hatten sich Präsident François Hollande und die neue britische Premierministerin May in Paris mit Nachdruck für den Bau ausgesprochen. Der britische EU-Austritt sollte an dem Projekt, an dem die China General Nuclear Power (CGN) teilnimmt, nichts ändern.

Ganz anders sehen es viele der 160.000 Angestellten von EDF. Ihr Finanzdirektor Thomas Piquemal war aus Protest gegen die finanzielle Unsicherheit rund um Hinkley Point schon im März zurückgetreten.

Klagen laufen weiter

Österreich und andere Staaten haben Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die von der EU-Kommission genehmigte Beihilfe der britischen Regierung eingebracht. Als einziger österreichischer Stromerzeuger hat auch die Ökostrom AG geklagt. "Wir halten daran fest", sagte Finanzvorstand Lukas Stühlinger. Das Projekt hätte verheerende Folgen für den Energiemarkt und sei ein entscheidender Präzedenzfall für neue Atomkraftwerke direkt an Österreichs Grenzen.

Nach dem angekündigten Austritt Großbritanniens aus der EU dürften die Erfolgsaussichten der Klagen schwinden. (brae, stro, 30.7.2016)

Share if you care.