Mehr als 18.000 Festnahmen seit Putschversuch in der Türkei

29. Juli 2016, 16:21
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Pässe von 50.000 Bürgern für ungültig erklärt – Offenbar mehrere Diplomaten und Botschafter abberufen

Ankara – Seit dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei hat die Regierung schon mehr als 18.000 Menschen festgenommen. Diese Bilanz gab Innenminister Efkan Ala bekannt, wie der staatliche Fernsehsender TRT am Freitag berichtete. Knapp 10.000 davon sind in Haft und warten auf einen Prozess.

Zudem wurden die Pässe von fast 50.000 türkischen Staatsbürgern für ungültig erklärt. Am Freitag wurden außerdem mehrere Generäle von ihren Aufgaben bei der NATO entbunden. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll es sich um zwei Mitglieder im Führungsstab des Afghanistan-Einsatzes handeln. Kurz nach dem Umsturzversuch wurde bereits der türkische Stabschef im Landstreitkräfte-Hauptquartier in Izmir festgenommen.

Die EU-Kommission betätigte, dass ihren Informationen zufolge auch türkische Diplomaten im Visier von Ermittlungen zum Putschversuch stehen. Nach Informationen der dpa sollen weltweit bereits mindestens 88 Personen von ihren Posten abberufen worden sein – darunter auch Botschafter. Ob jeder Fall im Zusammenhang mit den laufenden "Säuberungen" steht, ist unklar. In Österreich befindliche Diplomaten sind davon nicht betroffen, wie das Außenministerium der APA mitteilte.

Untersuchungshaft für 17 Journalisten angeordnet

In der Nacht zum Samstag hat die türkische Jusitz für 17 Journalisten eine Untersuchungshaft angeordnet. Den Betroffenen werde Mitgliedschaft in einer "terroristischen Vereinigung" vorgeworfen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu. 21 Reporter wurden am Freitag einem Richter vorgeführt, vier von ihnen wurden wieder freigelassen.

Unter den Reportern, für die eine Untersuchungshaft angeordnet wurde, ist auch die bekannte Journalistin und frühere Abgeordnete Nazli Ilicak. Der frühere "Hürriyet"-Journalist Bülent Mumay kam hingegen wieder auf freien Fuß.

Seit dem Coup vor zwei Wochen geht die Regierung in Ankara mit aller Härte gegen ihre Gegner vor. Hinter dem fehlgeschlagenen Militärputsch sieht Präsident Recep Tayyip Erdogan den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen. In einer "Säuberungsaktion" will Erdogan nun alle Gülen-Anhänger aus Militär, Justiz, Exekutive und anderen staatlichen Einrichtungen entfernen. (APA/Reuters, 29.7.2016)

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