Yago Hortal: Pur, prall, positiv

3. August 2016, 15:43
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Action-Painting im 21. Jahrhundert: Die Salzburger Galerie Nikolaus Ruzicska stellt Yago Hortals dynamische Farbräusche vor

Salzburg – Geschmolzenes Make-up! Tatsächlich! Die Assoziation des amerikanischen Beauty-Magazins "Allure" trifft es ziemlich genau: So kreischend bunte Farbkaskaden, so grelle Töne von Purpur bis Neongrün, von Puderrosa bis Nachtblau, wie man sie auf den Bildern Yago Hortals findet, kuscheln sich sonst nur auf den Lidschattenpaletten der Kosmetikhersteller so dicht an dicht. Als Nagellacke trügen solch intensive, satte Farben sicher Namen, die auch gut schmecken würden: nach Limettensorbet, Marilleneis oder Pfefferminzbonbons.

foto: ulrich ghezzi
Swoosh – noch unmittelbarer kann die Dynamik der malerischen Geste bildlich nicht verewigt werden: Yago Hortals Gemälde (hier: "SP134" von 2016) sind pure Farbe.

Kein Wunder, dass die Kosmetiklinie Smashbox 2015 für eine limitierte Edition mit Hortal kooperierte: Auf den Gemälden des 33-jährigen spanischen Malers feiert das Kolorit ein wildes, ausgelassenes Sommerfest. Man könnte auch sagen, sie tanzt laut in Wirbeln, Wellen und Schwüngen über die Leinwand. Eine schrill leuchtende Fete, bei der man manchmal gerne die Sonnenbrille aufbehalten möchte.

foto: ulrich ghezzi
Yago Hortal: "SP104"

"Menschen können nicht leben ohne Farbe. Stell dir ein Leben in Schwarz und Weiß vor – es ist langweilig. Wir brauchen Farben, um uns lebendig zu fühlen", lautet dann auch Hortals Glaubensbekenntnis im Smashbox-Werbespot. Zum elektronischen Dub-Step-Sound staubt der Lidschatten in Zeitlupe vom Pinsel, Pigmentwolken schweben für Sekunden in der Luft; auch Hortals Acrylfarbe tropft in Slow Mo, rinnt dickflüssig auf die am Boden liegenden Leinwände, vermischt sich in den sicheren, runden und großzügigen Gesten des Künstlers zu virtuos gesetzten abstrakten Schlieren, zu körperhaften Schleifen, marmorierten, gesprenkelten Farbgebilden. Eine sinnliche Erzählung, die den Prozess des Kunstschaffens als pure Erotik erscheinen lässt. In staubiges Gegenlicht getaucht, wirkt alles obendrein eine Spur mystisch.

foto: ulrich ghezzi
Yago Hortal: "SP120"

Es ist ein Lebensgefühl, das man zu verkaufen sucht: intensiv, vital, pur, prall, positiv. Und Yago Hortals Bilder, von denen er selbst sagt, sie stünden für einzelne Augenblicke in seinem Leben, sind wie gemacht dafür. Sie kommen ohne theoretischen Unterbau aus, sind unmittelbar, authentisch, dynamisch. Swoosh – man kann diese spritzige, intuitive Energie auch in einem einzigen lautmalerischen Begriff einfangen. Die expressive Bewegung, das Fließende von Hortals freier (aber ab einem gewissen Moment rational kontrollierter) Gestik bleibt in den Bildern nicht nur sichtbar, sondern flirrend lebendig. Das eine scheint für das andere zu stehen. Prozess und Ergebnis wirken umkehrbar.

smashbox cosmetics
Kooperation mit Smashbox 2015

Man kann also gut verstehen, wieso Hortal, der immer schon Maler werden wollte, sich so als Imageträger eignet. Es scheint erwartbar, dass andere Unternehmen (etwa Long- oder Surfboard-Produzenten), den nach einigen Berliner Jahren wieder in seiner Heimatstadt Barcelona Arbeitenden für sich entdecken.

Bisher wurde Hortals "Eye Candy", das wie Wolkenformationen zu Assoziationen anregt, medial eher auf Lifestyleportalen, Design-Blogs oder jungen TV-Formaten gefeaturt. Dort hat ihn sicher auch die internationale Kunstwelt für sich entdeckt. Das Pure, Pralle, Positive ist – gepaart mit Jugendlichkeit – ja auch dort ein begehrenswertes Gut. Der Salzburger Galerist Nikolaus Ruzicska zeigt ihn nun erstmals im deutschsprachigen Raum. Auf das positive Echo darf man fast wetten. (Anne Katrin Feßler, 3.8.2016)

scion av
2011 hatte Hortal eine Ausstellung organisiert von Scion AV, einer Distributionsplattform für Musik und Kunst, einem Unternehmen von Toyota. Der Automobilkonzern hatte mit dem Scion-Automodell speziell ein junges Publikum im Blick. Scion AV initiierte Ausstellungen in einem Einzelhandelssettings, also präsentierte die Kunst dort, wo auch T-Shirts, Sweater und Kappen verkauft werden. (kafe)

Bis 31. 8.

Galerie Nikolaus Ruzicska

Faistauergasse 12, 5020 Salzburg

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