Vom Push Web zum Slow Web

30. Juli 2016, 11:00
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Wer die Ereignisse der vergangenen Wochen in den sozialen Netzwerken verfolgte, sah sich getrieben von einer Flut an Informationen

Ob wahr oder falsch, wichtig oder irrelevant, was gerade erst passiert, kann nur eilig eingeordnet werden. Vergangenheit und Gegenwart seien im heutigen Internet uninteressant, warnt der französische Start-up-Gründer Tariq Krim. Was hingegen zähle, sei die nahe Zukunft: der nächste Klick, die nächste Absicht. Er vermisst ein Tool, um die Gegenwart bewusst wahrzunehmen, fordert Entschleunigung. Eine Art Slow Web nach dem Vorbild der Slow-Food-Bewegung. Das könnte gegen "Eilgefühle" helfen. So nennt "Spiegel-Online"-Kolumnistin Margarete Stokowski eine Gemütsbewegung aus Unsicherheit, Verwirrung und Genervtheit. "Wie Leute am Ballermann, die um Sangria-Eimer rumsitzen, sitzen wir um unsere Smartphones rum und saufen Eilmeldungen." Abstinenz als Ausweg?

"Zeit Online" serviert lieber leichten Sommerspritzer und schickt positive Pushnachrichten auf das Smartphone. Motto: "Welt erneut besser geworden." Etwa einen Beitrag über Umgangsformen: "Deutsche sind nett und umarmen sich zur Begrüßung." Das klingt (endlich) nach Sommerloch, in diesem so gar nicht unbeschwerten Sommer. Digitales Fasten? Weniger Stress und Tempo, das verspricht eine App, die ein Grazer Start-up vorstellte. "MySoofa" will Nutzern digitale Enthaltsamkeit erleichtern, indem Social-Media-Benachrichtigungen deaktiviert werden können. Wem das digitale Rauschen ganz zu viel wird, dem visualisiert die App "White Spots" nicht nur die weltweite digitale Kluft. Sie ermöglicht auch die Navigation zum nächstgelegenen funksignalfreien Flecken. Ideal für digitale Teilzeit-Eremiten. (Sabine Bürger, 30.7.2016)

  • Ein Wegweiser in die Offline-Welt: die App "White Spots"
    foto: screenshot "white spots"

    Ein Wegweiser in die Offline-Welt: die App "White Spots"

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