Glosse "Wortkunde": Arschbombe

Glosse31. Juli 2016, 09:00
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Arschbombe bezeichnet eine bestimmte Art ins Wasser zu springen

Sommers Hitze bedingt eine gewisse Trägheit. Diese kann Geist und Körper gleichermaßen erfassen, angeblich hängt das sogar irgendwie zusammen. Gegenmittel zu dieser Schwere gibt es einige: Urlaub in der Arktis, Campen vor dem Kühlregal im Supermarkt, Spaziergänge in Eishöhlen. Doch das ist alles vergleichsweise aufwendig. Die einfachste Lösung ist immer noch ein Sprung ins Wasser. Es gibt einen Grund, warum Pool und cool sich reimen.

Dem gesellschaftlichen Zwang entsprechend und der durch die Omnipräsenz aufnahmefähiger Mobiltelefone nicht kleiner gewordenen Überwachung unseres Tuns, ist man dazu angehalten, wahlweise unauffällig oder spektakulär zu Wasser zu gehen. Nun ist ein doppelter Auerbachsalto mit eingeschobener Schraube gegen die Erddrehung vom Zehnmeterturm nicht jedermanns Sache. Um dennoch nicht ganz unbemerkt den Aggregatzustand zu wechseln, hat sich der Mensch die Arschbombe ausgedacht.

Diese mag nicht so elegant wie ein Seemannsköpfler sein, doch selbst die Arschbombe gehorcht gewissen ästhetischen Regeln, um als solche Akzeptanz zu finden. Man zieht die Knie im Sprung zum Kinn und umschränkt mit den Armen die Unterschenkel. Nun entscheidet nur noch die Fallhöhe über den Ausgang des Sprungs, der mit dem namensgebenden Podex zuerst die Wasseroberfläche teilen soll.

Das Wasserteilen hat dem Sprung unter gläubigen Arschbombern den Kosenamen Sekunden-Moses eingetragen. Wobei es angeblich der Überlieferung widerspricht und Moses das Meer nicht mit seinem Allerwertesten geteilt haben soll.

Entgegen ihres martialischen Namens ist die Arschbombe eine Frohnatur, eine Pazifistin. Zwar kann sie Verstimmungen verursachen, wenn jemand bekleidet in ihrem Detonationsgebiet herumsteht, ärgere Kollateralschäden sind nicht bekannt. Und nicht nur die Sportlichen können damit reüssieren: Für die Fontäne ist die Physis maßgeblich entscheidend. Da schadet es nichts, wenn man über einen Bombenarsch verfügt. (Karl Fluch, 31.7.2016)

  • Im Sprung zieht man die Knie zum Kinn und umschränkt mit den Armen die Unterschenkel.
    foto: apa/boris roessler

    Im Sprung zieht man die Knie zum Kinn und umschränkt mit den Armen die Unterschenkel.

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