Betrugsprozess: Steinobstkerne und kanadische Milliarden

1. August 2016, 12:08
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Ein 51-Jähriger soll einen Geschäftspartner um 161.000 Euro betrogen haben. Sicher scheint, dass er selbst Betrugsopfer ist

Wien – "Ich habe zwei Filme und weiß noch nicht genau, wo die sich überschneiden", gibt Christina Salzborn, Vorsitzende im Schöffenprozess gegen Zvonko M., eine gewisse Ratlosigkeit zu. Das ist nachvollziehbar: In dem einen Film geht es um die Zahlung von 161.000 Euro für die Lieferung von 8.000 Tonnen Steinobstkernen. Im anderen um Geldübergaben in der Dominikanischen Republik in der Hoffnung auf Anteile an einem Milliardenvermögen.

Der 51-jährige Angeklagte bekennt sich mit Vehemenz nicht schuldig. Der Fall ist kurios – und schon neun Jahre alt. Begonnen hat die Geschichte, als ein Bauunternehmer eine Idee hatte. Er wollte in Güssing ein Werk errichten, in dem Obstkerne, die beispielsweise bei Saft- und Marmeladeherstellung als Abfall anfallen, ausgepresst werden. Das Öl hätte man für Kosmetika einsetzen können, die Reste als Abriebmaterial.

Besichtigungstour in Griechenland

Herr M. war ein kleiner Elektriker, der immer wieder mit Bauunternehmer K. zusammenarbeitete. Einmal sei er mit dem Geschäftspartner nach Griechenland und Serbien gefahren, um sich Obst- und Kernverarbeitungsbetriebe anzuschauen.

Laut Anklage soll K. ihn im Sommer 2007 dann engagiert haben, um aufgrund seiner Sprachkenntnisse am Balkan Kerne zu kaufen. 161.000 Euro bekam er dafür in zwei Tranchen überwiesen, einen Jahresbedarf von 8.000 Tonnen Obstreste hätte er liefern sollen, behaupten K. und die Staatsanwältin.

M. bestreitet das. Mit Kernen habe das Geld nichts zu tun gehabt, sondern es sei der Anteil an einer äußerst lukrativen Investition gewesen. Eine Investition, die ganz offensichtlich ein Betrug ist.

Geheimnisvoller Konsul

Es geht um umgerechnet 1,8 Milliarden Euro, die angeblich bei einer kanadischen Bank liegen sollen. M. will bei einem ungarischen Konsul Kontoauszüge gesehen haben, wie er beteuert. Leider habe der Konsul ein gewisses Liquiditätsproblem gehabt, ein paar tausend Euro hätten aber gereicht, um an das Geld zu kommen.

"Das klingt ja wie Weihnachten: Gib mir 5.000 Euro und Du bekommst einen Anteil an 1,8 Milliarden", merkt Vorsitzende Salzborn kritisch an. M. hat angeblich an dieses Wunder geglaubt. "Wir waren ja mehrere Leute!", beschwört der Angeklagte Salzborn. "Andere haben fünf Millionen Euro investiert! In der Slowakei ist ein Anwalt, der heute noch sicher ist, dass er bald seinen Anteil bekommt."

Im Sommer 2007 flog M. jedenfalls nach Santo Domingo, wo er auch andere "Investoren" traf – denen er die 161.000 Euro von Herrn K. gegeben habe. "Es hat geheißen, wenn das Geld da ist, werden wir in eineinhalb Monaten glücklich sein."

Über 300.000 Euro ausgegeben

Das Geld war da, das Glück eher nicht. Er wurde weiter vertröstet, kam schließlich von Hispaniola retour. Er selbst habe in 15 Jahren über 300.000 Euro investiert, behauptet der Angeklagte. K. sei aber immer klar gewesen, dass ein Risiko besteht.

Der weißt das entrüstet von sich. Es sei um die Kernlieferung gegangen, da die Banken, die für das Werk in Güssing Geld geben sollten, das so haben wollten. M. habe zwar erwähnt, er habe im Ausland ein "Projekt", das viel Geld bringen werde, Details habe er aber nicht gewusst.

Der Unternehmer berichtet auch von einem erstaunlichen Vorfall im Jahr 2010: Damals seien drei Herrn zu ihm gekommen, die 30.000 Euro verlangten, die M. ihnen schuldete. "Die haben gesagt, ich muss das zahlen", behauptet K., der die Besucher auch als recht furchteinflössend beschreibt. M. sagt, er wisse nicht, worum es gehe.

Um Durchblick in diesem Vexierspiel zu bekommen, vertagt Salzborn, um mehrere Zeugen zu laden – Mitarbeiter von Herrn K. sowie andere "Investoren", die der Angeklagte nennt. (Michael Möseneder, 1.8.2016)

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