Wo Mr. Spock Hegel ähnelt: Die Philosophie von "Star Trek"

30. Juli 2016, 16:20
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Philosoph Klaus Vieweg zieht Parallelen zwischen fiktiver und realer Welt

Jena – Zum 50. Jubiläum von "Star Trek" beschäftigt sich der Philosoph Klaus Vieweg von der Universität Jena in seinem neuen Buch "Wozu braucht Gott ein Raumschiff? Die Philosophie in Star Trek" mit der Metaebene, auf der sich das Raumschiff Enterprise bewegt. Vieweg widmet sich darin der Frage, welche philosophischen, ethischen und politischen Ideen der Erfinder der Serie, Gene Roddenberry, unterhaltsam verpackt den Zuschauern vermitteln wollte.

Vieweg spürt den Parallelen zwischen dem "Star Trek"-Universum und den Theorien berühmter Denker nach. Ausgehend von einzelnen Episoden der Originalserie offenbare er, wie vielschichtig Figuren und Motive in "Star Trek" sind, berichtet die Uni Jena. Die Idee des Universalismus und der Gleichheit aller, die im gesamten "Star Trek"-Universum herrscht, zeige schon die Zusammenstellung der Besatzung: von Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft bis zu nichtmenschlichen Intellgenzwesen – anfangs nur in Form von Mr. Spock, was sich aber vor allem in den späteren Serien noch stark diversifizieren sollte.

Logik und eine Prise Humor

Ein Besatzungsmitglied hat es Vieweg besonders angetan: "Mein spezielles Interesse für die Figur des Ersten Offiziers Mr. Spock – dem philosophischen Kopf der Enterprise – liegt in dessen Credo 'Logik ist der Anfang aller Weisheit‘ begründet", sagt der Jenaer Philosoph. Spocks Denken ähnele in vielerlei Hinsicht der Philosophie Georg Wilhelm Friedrich Hegels, die im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit Klaus Viewegs steht.

Hegel und Spock teilen die Maxime, dass nur die Vernunft Grundlage für echtes Wissen sein kann und nur durch sie richtige Entscheidungen getroffen werden können. Als Sohn eines Vulkaniers lebt er das Rationale nahezu übertrieben aus. Als Sohn einer menschlichen Mutter allerdings ist er auch mit einer Portion Emotionalität ausgestattet, die ihn mit zwei Eigenschaften versorgt, die auf der Enterprise dringend notwendig sind: Mut und Humor. Letzterem widmet Vieweg ein ganzes Kapitel und zeigt, dass Mr. Spock – ähnlich Hegel – durchaus eine feinsinnige Vorstellung davon hat, was lustig ist, und nicht etwa zum Lachen in den Keller geht, sondern dafür eher seine Augenbraue nach oben zieht.

Das von Viewegs Tochter Olivia illustrierte Buch enthält neun Essays, die neben Ausflügen ins "Star Trek"-Universum auch Beispiele aus der Kulturgeschichte anführen: Würdigung einer zum jahrzehntelang erfolgreichen Kult-Franchise gewordenen Serie, die beinahe nicht zustande gekommen wäre, weil sie der US-Sender NBC zunächst für zu vergeistigt und zu intellektuell gehalten hatte. (red, 30. 7. 2016)

  • Klaus Vieweg und Olivia Vieweg: "Wozu braucht Gott ein Raumschiff? Die Philosophie in Star Trek", 303 Seiten, € 16, Cross Cult, Ludwigsburg 2016
    foto: cross cult

    Klaus Vieweg und Olivia Vieweg: "Wozu braucht Gott ein Raumschiff? Die Philosophie in Star Trek", 303 Seiten, € 16, Cross Cult, Ludwigsburg 2016

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