Podemos-Generalsekretär beschäftigte Schwarzarbeiter

29. Juli 2016, 14:57
posten

Pfleger des an Muskelantrophie leidenden Politikers zahlte keine Sozialabgaben

Madrid – Es ist der Stoff, aus dem die Träume ihrer politischen Gegner sind: Ausgerechnet die für mehr soziale Gerechtigkeit kämpfende linkspopulistische spanische Partei "Podemos" ("Wir können") wird von einem Skandal um Schwarzarbeit erschüttert. Podemos-Generalsekretär Pablo Echenique beschäftigte 14 Monate lang einen Pfleger, der keine Sozialversicherungsbeiträge bezahlte.

Echenique leidet seit frühester Kindheit an spinaler Muskelatrophie und kann sich nur in einem Rollstuhl bewegen. Er hatte den Mitarbeiter zunächst über eine Pflegefirma engagiert. Als der Mann seinen Job verlor, habe Echenique ihn als Selbstständigen weiterbeschäftigt, schreibt die Zeitung "El Mundo" (Internetausgabe).

Wie sich nun herausstellte, bezahlte Echenique den Mitarbeiter 14 Monate lang schwarz. Dies sei auf dessen ausdrücklichen Wunsch geschehen. Der Mann habe sich nicht in der Lage gesehen, die Sozialversicherungsbeiträge abzuführen, argumentiert der Podemos-Politiker.

Parteichef steht hinter Generalsekretär

Während die politischen Gegner empört reagierten und der Chef der mit Podemos verbündeten "Vereinigten Linken" (IU), Alberto Garzon, eine Untersuchung forderte, stärkte Parteichef Pablo Iglesias seinem Mitstreiter demonstrativ den Rücken. Echenique habe sich "keine Unregelmäßigkeit" zuschulden kommen lassen, er sei vielmehr ein "moralisches Vorbild". Nach Darstellung des Podemos-Chefs hat der Politiker die Beitragshinterziehung seines Mitarbeiters mehr als ein Jahr lang "ertragen", weil er von dessen schwieriger finanzieller Situation gewusst habe.

Der Fall zeige, "was wir schon so oft systematisch angeprangert haben, nämlich, dass Selbstständige enorme Schwierigkeiten haben, weil es nicht einmal für die Beitragszahlung reicht", argumentierte Iglesias. Echenique habe seinen Mitarbeiter aufgefordert, sich bei der Sozialversicherung anzumelden, betonte der Podemos-Chef. Und er habe sich schließlich auch von ihm getrennt, weil er dieser Aufforderung auch nach 14 Monaten nicht nachgekommen sei. (APA, 29.7.2016)

Share if you care.