Wirtschaftssituation Kärntens: Ökonomen sehen Lage dramatisch

29. Juli 2016, 14:30
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Nach dem Rechnungshof mahnt auch der Kärntner IHS zu Schuldenabbau und Strukturreformen – 1,2 Prozent Wachstum für 2016 und 2017 erwartet

Klagenfurt – Nach dem Landesrechnungshof am Donnerstag hat am Freitag auch das Kärntner Institut für höhere Studien (KIHS) tiefgreifende Strukturreformen im Bundesland eingemahnt. Wenn man die ökonomischen Fakten betrachte – Wachstum, Beschäftigung, Schuldenstand, komme man zu einem deutlichen Ergebnis, meinte KIHS-Chef Norbert Wohlgemuth: "Die Lage ist dramatisch, aber man kann etwas machen."

Für das laufende und kommende Jahr wird für Kärnten ein leichtes Wachstum von 1,2 Prozent erwartet, erklärte Wohlgemuth bei der Präsentation eines Berichts zur Wirtschaftslage am Freitag in Kärnten. Die bundesweit erwartete positive Dynamik werde in Kärnten weniger ausgeprägt sein als im Österreich-Schnitt. Die Arbeitslosigkeit im Land dürfte konstant bei 11,4 Prozent bleiben. Besonders die Alters- und Langzeitarbeitslosigkeit steigt derzeit dramatisch.

Weniger Dienstleistungen

Österreichweit trägt der Dienstleistungssektor am stärksten zum Wachstum bei, in Kärnten ist dieser weniger ausgeprägt, weshalb sich der Rückstand des Bundeslandes aus derzeitiger Sicht vergrößern werde, analysieren die Ökonomen. Von Außen seien keine Wachstumsimpulse zu erwarten, die Konjunktur müsse daher von innen entstehen.

Positiv hervor tut sich Kärnten bei der Forschungsquote – hier liegt man mit 2,86 Prozent gut. Überdurchschnittlich viele Forschungsgelder des Bundes fließen ins Land. Bei der Gründungsintensität liegt Kärnten über dem Österreich-Schnitt. Warum das so ist, wurde noch nicht analysiert. Ein Zusammenhang mit der hohen Arbeitslosigkeit sei denkbar, meinte Wohlgemuth auf eine entsprechende Frage. Weitere Hoffnung verspricht der Export. Dieser habe im vergangenen Jahr um fünf Prozent zugenommen.

Meiste Schulden

Die Schuldenlast pro Kopf ist schon bisher in Kärnten am höchsten. Mit den 1,2 Mrd. Euro, die der angestrebte Heta-Vergleich das Land kosten soll, werden diese nochmals um ein Drittel nach oben schnellen. Wohlgemuth: "Einsparen heißt jetzt nicht mehr, ein Speckfest nicht zu subventionieren." Außerdem sei zu erwarten, dass die derzeitige extreme Niedrigzinsphase irgendwann vorübergehen werde. Dies würde Kärnten nochmals wie eine "Keule" treffen. "Ich glaube, dass für radikale Einsparungen das Verständnis der Bevölkerung da ist", meinte Wohlgemuth.

Landesrat Christian Benger (ÖVP) forderte bei der Präsentation wieder einmal mehr Tempo beim Einsparen: "Wir sind auf dem richtigen Weg – aber wir sind auf einem Schotterweg, nicht auf der Autobahn." Finanzreferentin Gabriele Schaunig (SPÖ) meinte dazu, dass man die Autobahn nehmen solle, wenn es schnell gehen müsse. "Aber manchmal wird's auch die Schotterstraße sein müssen, um nicht mit Kahlschlag mehr Schaden anzurichten als zu nützen." Beide verwiesen auf Bemühungen, Schaunig nannte etwa die ebenfalls am Freitag präsentierte räumliche Zusammenlegung des Unfallkrankenhauses Klagenfurt mit dem Klinikum. (APA, 29.7.2016)

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