Vergewaltigungsprozess: Gewohnheitsmäßig Frauen verfolgt

29. Juli 2016, 14:05
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Ein 23-Jähriger wird zu drei Jahren Haft für zwei versuchte Vergewaltigungen verurteilt. Er hat mehr als einem Dutzend Frauen nachgestellt

Wien – Im Endeffekt hat seine Verlobte dafür gesorgt, dass Ibraim J. nicht nur wegen einer, sondern wegen zweier versuchter Vergewaltigungen schuldig gesprochen wurde. So begründet es zumindest Martina Krainz, Vorsitzende des Schöffensenats im Verfahren gegen den 23-Jährigen. Ursprünglich war dem Mann vorgeworfen worden, in zehn Fällen eine Vergewaltigung versucht zu haben, dazu mehrere Fälle von sexueller Belästigung.

Seine Vorgehensweise variierte kaum. Er beobachtete Frauen in den öffentlichen Verkehrsmitteln, folgte seinen Opfern bis zu deren Haustür und bedrängte sie. In unterschiedlicher Ausprägung: Manche betatschte er an Gesäß oder Oberschenkel, anderen griff er unter den Rock, in einem Fall hatte er der Frau bereits die Hose heruntergezogen und ihre Geschlechtsteile berührt. In Einzelfällen soll er die Opfer auch gehalten, geschlagen und gestoßen haben.

DNA-Spuren auf Kleidung der Opfer

Geständig war J. bei dem viertägigen Prozess nur zu zwei Vorfällen – in denen seine DNA auf Kleidungsstücken der Opfer sichergestellt wurde. Selbst bei diesen Geständnissen eierte er herum und bestritt, je eine Vergewaltigung geplant zu haben.

Für das Gericht waren die Opfer, die großteils unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen wurden, aber viel glaubwürdiger, die meisten identifizierten ihn.

Dennoch blieben im Endeffekt nur zwei Schuldsprüche wegen versuchter Vergewaltigung, der Rest wurde als versuchte und vollendete geschlechtliche Nötigung beziehungsweise sexuelle Belästigung verurteilt. Nur in einem Fall, in dem der Angreifer auch ein Messer verwendet hatte, wurde J. im Zweifel freigesprochen.

Die nicht rechtskräftige Strafe für den von Wolfgang Haas verteidigten Unbescholtenen: drei Jahre Haft. "In einem Fall war es ganz klar, er hatte dem Opfer bereits die Hose heruntergezogen gehabt", begründet Krainz die Entscheidung.

"Spaß haben" als Synonym für Sex

"Im zweiten Fall ging es um die Frau, die er vom Aufzug bis zur Wohnungstür verfolgt hat." Dort griff ihr der Angeklagte unter den Rock. "Aber er hat dabei gesagt, er will Spaß haben und würde dafür auch bezahlen. Aufgrund der Aussage seiner Lebensgefährtin war für uns klar, dass er plante, mit ihr Geschlechtsverkehr zu haben. Die Verlobte hat uns erzählt, dass er auch daheim immer Sex meinte, wenn er sagte, er wolle Spaß haben."

Einen rechtlich interessanten Sonderfall gibt es noch: Dass der 23-Jährige eine Frau festgehalten und von ihr gefordert hat, sie solle ihn küssen, ist laut Senat kein Sexualdelikt, sondern eine Nötigung.

Für das Gericht stand aber fest, dass bei einem Strafrahmen von ein bis zehn Jahren Haft nur eine unbedingte Haft infrage komme. "Sie haben es sich zur Gewohnheit gemacht, in der Nacht Frauen nachzugehen und sich dann zu holen, was Sie brauchen", wirft Krainz dem Angeklagten vor, der das Urteil relativ emotionslos aufnimmt.

Frau musste aus Angst umziehen

Krainz gesteht zwar zu, dass es deutlich brutalere Sexualdelikte gibt, verweist aber eindringlich auf die Folgen für die Opfer: "Manche trauen sich nachts nicht mehr, außer Haus zu gehen, brauchen Therapien, waren im Krankenstand. Eine Betroffene musste die Wohnung wechseln, weil sie dort aus Angst nicht mehr leben konnte." (Michael Möseneder, 29.7.2016)

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