Steuerreform: Was Österreicher mit dem Steuerbonus tun

29. Juli 2016, 13:59
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Das zusätzliche Geld fließt laut einer Studie mehrheitlich in den Konsum. Gut einem Fünftel fällt es aber gar nicht auf

Wien – Über die Konsumlaune der Österreicher herrschte zuletzt etwas Uneinigkeit. So ergab eine GfK-Studie Mitte Juli, dass die Konsumlaune in keinem der 28 EU-Ländern so sehr gestiegen ist wie in Österreich. Demnach wollen die Österreicher so viel kaufen wie seit November 2012 nicht mehr. Als Grund für den Optimismus nannten die Befragten die Aussicht auf Gehaltserhöhungen.

Sehr viel weniger Optimismus klang in der jüngsten GfK-Studie durch, die die Österreicher nach den Entlastungen durch die Steuerreform befragte. Mehr als die Hälfte – nämlich 52 Prozent – gaben zu Protokoll, dass sie bisher keine positiven Auswirkungen verspürt hätten. 82 Prozent machen dafür steigende Preise bei Gütern des täglichen Bedarfs verantwortlich.

Glaubt man nun der aktuellen Integral-Studie im Auftrag der Erste Bank, so wollen viele das, was ihnen im Börsel bleibt, konsumieren. Der Löwenanteil von 39 Prozent gibt nach eigenem Bekunden das zusätzliche Geld aus. "Die Konsumausgaben kurbeln die Wirtschaft an, und das ist gut. Aber wer kann, legt nach wie vor zusätzliches Geld zur Seite", sagt Thomas Schaufler, Privatkundenvorstand der Erste Bank.

Viele spüren nichts

Die mit Jahresanfang in Kraft getretene Steuerform wirke sich positiv auf das Nettoeinkommen der Österreicher aus, ist man da grundsätzlich überzeugt. Allerdings: 21 Prozent falle das zusätzliche Geld im Börsel nicht auf – was daran liegen mag, dass der Steuerbohnus (gemessen am Lohnsteueraufkommen) bei Lohnsteuerpflichtigen rund 40 Euro im Monat ausmacht (siehe dazu: Steuerreform: Viel aufgestaut). 27 Prozent sagen, dass sie es ansparen.

Besonders junge Erwachsene im Alter 14 bis 29 würden die zusätzlichen finanziellen Mittel für die Zukunft veranlagen (49 Prozent). Unter allen Befragten planen 82 Prozent (-2) in den nächsten zwölf Monaten, Geld anzulegen. An den Sparformen ändert sich dabei wenig, die traditionellen stehen weiter hoch im Kurs, wenngleich sie an Attraktivität einbüßen. Angesichts der Niedrigzinsphase bemerkenswert: 58 Prozent legen etwas aufs Sparbuch (-5), und 50 Prozent sparen mittels Bausparvertrags (-6).

Doch nicht jeder verharrt in Schockstarre und nimmt die mickrigen Zinsen hin: Immerhin knapp ein Viertel der Österreicher (22 Prozent) setzt auf Wertpapiere, Aktien werden dabei mit zwölf Prozent (+4) immer beliebter. Auch die Investition in Immobilen nimmt zu: Jeder Fünfte veranlagt sein Geld in ein eigenes Haus oder eine Wohnung (20 Prozent), vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Die Veranlagung in Lebensversicherungen (36 Prozent) und Pensionsvorsorge (33 Prozent) verzeichnet hingegen jeweils einen Verlust von fünf Prozentpunkten.

Spar- und Kreditsumme steigen konstant

Der Aufwärtstrend beim Sparen zeigt sich auch im Anstieg der durchschnittlichen Sparsumme. Der durchschnittliche Sparbetrag legte im Vergleich zum zweiten Quartal 2015 um 900 Euro zu und liegt aktuell bei 5.700 Euro (+19 Prozent). 37 Prozent der Österreicher haben im Lauf des Jahres noch eine größere Anschaffung geplant. Vor allem die 30- bis 49-Jährigen ziehen mit 43 Prozent eine große Investition in Erwägung, neun Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.

Diese Anschaffung soll vorwiegend durch eigene Ersparnisse finanziert werden (84 Prozent). Für 14 Prozent ist eine Finanzierung mittels Bankkredit denkbar. Bei der Finanzierungsform lässt sich ein deutlicher Anstieg der durchschnittlichen Kreditsumme erkennen. Herr und Frau Österreicher planen im Schnitt, einen Kredit von 70.300 Euro aufzunehmen, das sind zehn Prozent mehr als im zweiten Quartal 2015. (rebu, 29.7.2016)

Integral hat 1.000 ÖsterreicherInnen (repräsentativ für die österreichische Bevölkerung ab 14 Jahren) mittels telefonischen Interviews nach ihren geplanten Spar- und Anlageformen sowie ihrem Finanzierungsbedarf gefragt. Die Befragung fand im zweiten Quartal im Zeitraum von 24. Mai bis 27. Juni 2016 statt.

  • Viele wollen das Geld gleich wieder verpulvern. Allzu viel wird sich mit dem Bonus aber angesichts gestiegener Preise nicht ausgehen.
    foto: ap/augstein

    Viele wollen das Geld gleich wieder verpulvern. Allzu viel wird sich mit dem Bonus aber angesichts gestiegener Preise nicht ausgehen.

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    grafik: erste bank
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