Der Juli war warm und sehr regenreich

29. Juli 2016, 12:16
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Ein Viertel mehr Regen als durchschnittlich in dem Monat

Wien – Laut einer Bilanz der Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg) lagen die Durchschnittstemperaturen im Juli 1,2 Grad über dem Mittel, österreichweit gesehen fiel um 25 Prozent mehr Regen als in einem durchschnittlichen Juli. Die Sonnenscheindauer war mit plus zwei Prozent knapp über dem vieljährigen Mittel.

Der bisherige Verlauf des Sommers wird von vielen Menschen sehr unterschiedlich empfunden. Die subjektiven Eindrücke reichen laut Zamg von "ziemlich verregnet" bis "eigentlich ganz gut". Alexander Orlik, Klimatologe der Zamg, erklärt diese vermeintlichen Widersprüche anhand einer ersten Julibilanz: "Einerseits haben wir einen der 15 wärmsten Sommer der rund 250-jährigen Messgeschichte erlebt. Er lag um 1,2 Grad über einem durchschnittlichen Juli der Vergleichsperiode 1981 bis 2010. Vielen Menschen sind aber sicher die noch extremeren Ausreißer der jüngsten Vergangenheit im Gedächtnis, wie zum Beispiel mit 2015 der wärmste und mit 2013 der drittwärmste Juli der Messgeschichte."

Überschwemmungen und Murenabgänge

Der Juli war aber auf jeden Fall außergewöhnlich feucht. "In der österreichweiten Auswertung brachte dieser Juli 25 Prozent mehr Regen als im vieljährigen Mittel. In einigen Regionen gab es sogar mehr als doppelt so viel Regen, wie im niederösterreichischen Donauraum mit plus 130 Prozent mehr Niederschlag." Mehrmals sind große Regenmengen auch in kurzer Zeit gefallen, die häufig zu Überschwemmungen und Muren geführt haben. "An 114 der rund 270 Wetterstationen der ZAMG gab es in diesem Juli zumindest einmal mehr als 40 Millimeter Regen in 24 Stunden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Regenmenge in einem gesamten Juli liegt im österreichweiten Mittel bei rund 130 Millimeter", sagte Orlik.

Der Juli brachte im Waldviertel auch ein für Österreich seltenes Wetterphänomen. Am späten Abend des 21. Juli streifte eine heftige Gewitterzelle in Tschechien das nördliche Waldviertel und brachte starken Hagel, Sturmböen und einen kurzen, aber heftigen Tornado. Das Schadensbild im Raum Karlstein an der Thaya lässt auf einen Tornado mit Windspitzen bis 220 km/h schließen. Er zog rund zehn Kilometer weit. Eine private Wetterstation in der Region registrierte Orkanböen bis 170 km/h – bevor sie zerstört wurde.

Trotz einiger heftiger Gewitter und Unwetter brachte der Juli 2016 insgesamt relativ wenige Blitze. 42.339 Mal schlug bisher in diesem Juli ein Blitz in Österreich ein. Zum Vergleich: Der Juli im Vorjahr brachte 69.806 Blitzeinschläge in Österreich. Der Juli-Rekord stammt aus dem Juli 2006 mit 113.766 Wolke-Erde-Blitzen. "Die kleinräumigen Unwetter, wie in diesem Juli, wirken sich in der österreichweiten Blitzstatistik nicht so stark aus", sagte Wolfgang Diendorfer, Leiter des Blitzortungssystems ALDIS, "für große Blitzzahlen sind vor allem Kaltfronten verantwortlich, die mehrere hundert Kilometer lang sind und ganz Österreich überqueren". Derartige Gewitterfronten gab es heuer nur wenige. (APA, 29.7.2016)

  • Der Sommer bleibt noch ein wenig in Österreich.
    foto: privat

    Der Sommer bleibt noch ein wenig in Österreich.

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