Mariahilfer Straße: Laut Wirtschaftskammer 13 Prozent weniger Einkäufer

29. Juli 2016, 12:11
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Kritik an Umbau, weniger "zahlungskräftige Käufer mit Auto" – Wirtschaftsvertreter fordern mehr Querungen

Wien – Vor einem Jahr wurde der Umbau der Wiener Mariahilfer Straße abgeschlossen, zum bevorstehenden Jubiläum übten sich die damaligen Fürsprecher am Dienstag in Zufriedenheit. "Konzept voll angenommen", "keine Probleme", "positives Flair", "sehr zufrieden", war von Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou (Grüne) und den zuständigen Bezirksvorstehern zu hören.

"Wie die Bilanz des einstigen Umbaukritikers Wirtschaftskammer ausfällt, ist noch offen", schrieb die APA, denn noch "arbeite man an einer Analyse zu den wirtschaftlichen Auswirkungen des Umbaus". Die Analyse kam nun pünktlich zum Jahrestag zum Abschluss, und auch die Wirtschaftskammer bleibt bei ihrem Standpunkt. Die Kritik am Umbau wird mit Zahlen von Oktober 2015 untermauert, die am Freitag in einer Aussendung bekanntgegeben wurden.

Demnach sei in vier von fünf Zählbereichen die Passantenzahl "teilweise deutlich zurückgegangen", heißt es in der Stellungnahme. "Bei den tatsächlichen Einkäufern unter den Passanten gibt es einen deutlichen Rückgang um knapp 13 Prozent (sic) von 65,9 Prozent auf 53,2 Prozent." Demgegenüber habe im Bereich Kärntner Straße und Graben die Käuferklientel sogar leicht um 1,4 Prozentpunkte zugenommen.

Die Stimmen der Vernunft

"Die Kaufleute beklagen Umsatzrückgänge, weil die zahlungskräftigen Käufer mit Auto weniger geworden sind", erklärt Rainer Trefelik, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Vor allem "zahlungskräftiges Publikum für hochpreisige Waren" bleibe aus. Zugenommen hätten kleine Gastronomieangebote und "zu viele Spendensammler auf zu knappem Raum", aber nicht der Handel.

"Jubel, Trubel, Heiterkeit seitens der Politik – Ernüchterung und Enttäuschung seitens der Betriebe", lautete das Fazit von Walter Ruck, Präsident der Wirtschaftskammer Wien, der zur Verbesserung die Einrichtung einer Tourismuszone – samt Erlaubnis der Sonntagsöffnung – in der Mariahilfer Straße fordert. Trefelik wünscht sich außerdem die Öffnung zusätzlicher Querungen. Diesen lehnte Vassilakou am Donnerstag im "Kurier" ab, sie würden nur Verwirrung stiften.

Christoph Biegelmayer, Direktor des Wiener Wirtschaftsbundes, sieht "die größten Befürchtungen der Selbstständigen bestätigt", deren "Stimmen der Vernunft im rot-grünen Rathaus viel zu selten gehört werden". Ähnlich äußert sich Manfred Juraczka, der Klubobmann der ÖVP Wien. "Anstatt weiterhin die Situation auf der Mariahilfer Straße schönzureden und jegliche Verbesserungsmaßnahmen zu verweigern, ist Verkehrsstadträtin Vassilakou gefordert, endlich auf die berechtigen Anliegen der Wirtschaft und des Handels einzugehen", so Juraczka. (mcmt, 29.7.2016)

  • Die Bezirksvorsteher des 6. und 7. Bezirks, Markus Rumelhart (SPÖ, links) und Thomas Blimlinger (Grüne), mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bei der Eröffnung der umgebauten Mariahilfer Straße am 31. Juli 2015.
    foto: robert newald

    Die Bezirksvorsteher des 6. und 7. Bezirks, Markus Rumelhart (SPÖ, links) und Thomas Blimlinger (Grüne), mit Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou bei der Eröffnung der umgebauten Mariahilfer Straße am 31. Juli 2015.

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