Yanar Mohammed kämpft für Frauenrechte im Irak

30. Juli 2016, 17:00
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Die Irakerin kritisiert das internationale Desinteresse an den Lebensbedingungen von Frauen in den vom "Islamischen Staat" besetzten Gebieten

Im Jahr 2000 verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 1325: Erstmals wurden die besonderen Auswirkungen von Konflikten auf Frauen hervorgehoben und ihr Beitrag im Bereich von Friedensbemühungen und Krisenprävention anerkannt. Messbare Erfolge blieben jedoch aus, kritisiert Yanar Mohammed.

Versteckte Frauenhäuser

Die Menschenrechtsaktivistin setzt sich im Irak unter widrigen Bedingungen für den Schutz von Frauen ein. In einem versteckten Netzwerk von Häusern finden Frauen Unterschlupf, die Vergewaltigungen überlebt haben, drohenden Ehrenmorden oder einer Versklavung durch den "Islamischen Staat" (IS) entkommen sind. Zuletzt eröffnete die Organization of Women's Freedom in Iraq eine Unterkunft für Jesidinnen im Norden Iraks. Yanar Mohammed ist Mitbegründerin der Organisation, die 2003 ihre Arbeit aufnahm.

"Schlussendlich geht es um die Teilhabe von Frauen und ihr politisches Bewusstsein. Deswegen versuchen wir den Frauen dabei zu helfen, Menschenrechtsaktivistinnen und Leitfiguren für ihre Gemeinden zu werden", sagte sie im Interview mit den "UN Women".

Auf der Suche nach Verbündeten

Um auf die dramatische Lage von Frauen im Irak aufmerksam zu machen, nimmt Mohammed regelmäßig an Konferenzen rund um den Globus teil und begibt sich auf die Suche nach BündnispartnerInnen. Internationale Medien würden sich für IS-Terroristen interessieren, den Lebensbedingungen von Frauen in den vom IS besetzten Gebieten jedoch wenig Aufmerksamkeit schenken, beklagt die Aktivistin. So scheute sie sich auch nicht davor, im Herbst vergangenen Jahres ihre Kritik an mangelnden Bemühungen der Internationalen Gemeinschaft direkt an den UN-Sicherheitsrat zu adressieren.

"Unverbesserliche Optimistin" trotz Morddrohungen

In Toronto, wo nach wie vor ein Teil ihrer Familie lebt, fand die ausgebildete Architektin von 1993 bis 2003 eine zweite, sichere Heimat. Doch die politischen Entwicklungen im krisengebeutelten Irak nur aus der Ferne zu beobachten, war keine Option für sie – so kehrte sie nach dem Sturz von Sadam Hussein zurück nach Bagdad.

Unzählige Rückschritte sieht Mohammed aktuell für Frauen im Irak. Es brauche eine säkulare Regierung, um ihre Rechte in allen Lebensbereichen abzusichern, ist die Aktivistin überzeugt. Mehrere Morddrohungen hat Mohammed bereits erhalten, dennoch nimmt sie auch an Protesten – unter anderem gegen staatliche Korruption – teil, betreibt Medienarbeit und setzt sich für die Rechte von Lesben und Schwulen ein. "Ich habe das Glück, eine dieser unverbesserlichen Optimistinnen zu sein, die ihr ganzes Leben der Sache widmet, während ich zugleich hoffe, mit jedem grausamen ISIS-Bild, das sich sehe, nicht meine Motivation zu verlieren", sagte sie im Interview mit einer US-amerikanischen NGO. (Brigitte Theißl, 30.7.2016)

Die Heldin des Monats porträtiert monatlich eine feministische Aktivistin, Denkerin und Vorkämpferin, die sich mit ihrem Engagement für Frauenrechte starkmacht.

  • Yanar Mohammed 2015 im UN-Hauptquatier in New York. Sie kritisiert die mangelnden Bemühungen zur Durchsetzung von Frauenrechten.
    foto: imago/xinhua

    Yanar Mohammed 2015 im UN-Hauptquatier in New York. Sie kritisiert die mangelnden Bemühungen zur Durchsetzung von Frauenrechten.

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