Deutsche Bahn gibt Nachtzug-Strecken auf: ÖBB springt ein

29. Juli 2016, 08:47
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Im Dezember stellt die Deutsche Bahn einige Verbindungen ein, den Großteil übernimmt die ÖBB

Wien/Berlin – Bahnfahrer werden auch künftig Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen in Deutschland nutzen können. Die ÖBB will zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember den Großteil der Verbindungen ersetzen, die die Deutsche Bahn aufgibt. Das geht aus internen Unterlagen hervor, in denen die Trassenanmeldungen für den Nachtzugverkehr im kommenden Jahr dokumentiert sind.

Sie liegen dem deutschen Grünen-Bundestagsabgeordneten und Bahnexperten Matthias Gastel vor. Nach dpa-Informationen soll das neue Nachtzugkonzept im September offiziell vorgestellt werden.

Drei Euronight-Züge

Die ÖBB wird nach den vorliegenden Trassenanmeldungen täglich drei Euronight-Züge mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen zusätzlich durch Deutschland fahren lassen. Unterwegs sein sollen sie auf den Strecken Düsseldorf–Köln–Frankfurt–München–Innsbruck, Hamburg–Berlin–Frankfurt–Karlsruhe–Basel und Hamburg–Hannover–Würzburg–München–Innsbruck.

Auch für die Achse Basel–Zürich–Prag ist ein Nachtzug vorgesehen. Sechs andere Nachtreisezüge der ÖBB mit Teilabschnitten in Deutschland sollen unverändert verkehren. Keine Informationen lagen Gastel zu den Nachtverbindungen von München nach Mailand, Venedig und Rom vor.

Beide Bahngesellschaften wollten zu den Strecken keine Auskunft geben. "Das Nachtzugsegment ist interessant für uns, wir wollen es ausbauen", sagte ein ÖBB-Sprecher auf Anfrage. Konkrete Verbindungen könnten noch nicht genannt werden. "Wir rechnen damit, dass wir im Herbst Nägel mit Köpfen machen können."

Deutsche Bahn: Jahrelange Verluste mit Nachtzügen

Die Deutsche Bahn führt nach eigenen Angaben bereits seit Monaten mit der ÖBB Gespräche über den Weiterbetrieb klassischer Nachtzüge. Sie selbst will unabhängig davon die Zahl ihrer Nacht-ICEs nur mit Sitzen erhöhen.

Die Deutsche Bahn hatte Ende 2015 bekanntgegeben, alle bisherigen Linien des klassischen Nachtzugverkehrs im Dezember 2016 "in einem Schritt" einzustellen. Als Grund wurden jahrelange Verluste in diesem Geschäft genannt. So seien 2015 bei rund 90 Millionen Euro Umsatz 31 Millionen Euro Minus herausgekommen. Die meisten Züge seien mehr als 40 Jahre alt, die nötigen Investitionen in die Modernisierung ließen sich nicht wieder hereinholen.

Nur Nischengeschäft

Für die Deutsche Bahn sind die Nachtzüge ein Nischengeschäft. Zuletzt gab es 1,3 Millionen Buchungen pro Jahr. Somit war nur einer von Hundert Fahrgästen mit einem Schlaf- oder Liegewagen unterwegs. Die ÖBB macht dagegen mit den Nachtreisezügen 17 Prozent ihres Umsatzes.

Im Mai hatte der ÖBB-Aufsichtsrat den Kauf von bis zu 60 gebrauchten Schlaf- und Liegewagen und 15 Autotransportwagen genehmigt. Bis Mitte 2019 sollen außerdem 20 ÖBB-Intercity-Wagen zu Liegewagen umgebaut werden, für die es bereits eine Designstudie gibt. Inwieweit die ÖBB auch den Autozugverkehr in Deutschland wiederbeleben wollen, ist noch offen. Möglich wäre, an einige der Nachtzüge auch Autowagen zu hängen. (APA, 29.7.2016)

Nach den bisher bekannten Plänen sind im nächsten Jahr zusätzlich diese Euronight-Züge der ÖBB unterwegs:

  • Düsseldorf – Köln – Frankfurt/Main – Würzburg – München – Innsbruck (eventuell Automitnahme)
  • Hamburg – Berlin – Frankfurt/Main – Karlsruhe – Basel (eventuell bis Zürich)
  • Hamburg – Hannover – Würzburg – München – Innsbruck (eventuell Automitnahme)

Wie bisher verkehren:

  • Hamburg – Würzburg – Passau – Wien (mit Autobeförderung)
  • Berlin – Prag – Brünn – Budapest/Wien
  • München – Villach – Ljubljana – Zagreb
  • Düsseldorf – Köln – Würzburg – Wien (mit Autobeförderung)
  • Paris – Karlsruhe – Frankfurt/Main – Berlin – Warschau – Minsk – Moskau
  • München – Wien – Budapest
  • Die ÖBB werden täglich drei Euronight-Züge (EN) mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen zusätzlich durch Deutschland fahren lassen.
    foto: apa / techt

    Die ÖBB werden täglich drei Euronight-Züge (EN) mit Schlaf-, Liege- und Sitzwagen zusätzlich durch Deutschland fahren lassen.

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