Mondflüge sind schlecht fürs Herz

28. Juli 2016, 21:42
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Tierversuch bestätigt negative Auswirkungen von kosmischer Strahlung auf das Herz-Kreislauf-System – Die Datenlage ist allerdings ziemlich dünn

Tallahassee/Wien – Mitte Juli feierte John Glenn seinen 95. Geburtstag. Der erste US-Amerikaner, der um die Erde kreiste, ist damit der mit Abstand älteste Astronaut der Welt. Etliche seiner Kollegen – und vor allem jene, die zum Mond flogen – sind längst tot.

Der Apollo-Astronaut Ronald Evans starb 1990 bereits mit 56 Jahren an einem Herzinfarkt. Der Astronaut James Irwin war 61 Jahre, als sein Herz 1991 bei einem Radausflug versagte. Zuvor hatte er schon mehrere Herzattacken erlitten. Der erste Mann auf dem Mond, Neil Armstrong, starb 2012 an den Folgen einer Bypass-Operation. Er wurde 82 Jahre alt.

Ist das Zufall? Oder steckt hinter der unterschiedlichen Lebenserwartung ein Prinzip? Forscher um Michael Delp (Florida State University) haben sich die einschlägigen Zahlen genauer angesehen: Drei der sieben Apollo-Astronauten starben an kardiovaskulären Erkrankungen, bei den übrigen Astronauten waren es nur etwa zehn Prozent.

Die geringe Fallzahl reicht natürlich nicht aus, um auch nur irgendetwas halbwegs Seriöses über die Auswirkungen des Aufenthalts außerhalb des Erdmagnetfelds auf den menschlichen Körper zu sagen. Aus diesem Grund ergänzten die Forscher ihre Studie um Versuche mit 44 Mäusen, die vier Gruppen zu je elf Mäusen zugeteilt wurden.

Simulierte kosmische Strahlung

Bei einer Gruppe wurde Schwerelosigkeit simuliert, bei einer zweiten eine Bestrahlung mit Eisenionen (also kosmische Strahlung); die dritte Gruppe war Schwerelosigkeit und kosmischer Strahlung ausgesetzt. Und die letzten elf Mäuse bildeten die Kontrollgruppe.

Sechs bis sieben Monate nach der Behandlung, was nach Aussagen der Forscher 18 bis 20 Jahren beim Menschen entspricht, wurden die Ergebnisse ausgewertet. Wie Delp und sein Team im Fachjournal "Scientific Reports" schreiben, hatte die Schwerelosigkeit allem Anschein nach keine Auswirkungen auf den Zustand des Herz-Kreislauf-Systems. Bei Mäusen, die bestrahlt worden waren, zeigten sich jedoch Veränderungen in den inneren Blutgefäßwänden (Epithel). "Solche negativen arteriellen Effekte können zur Entwicklung arterieller Verschlusskrankheiten führen, einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall", meinen die Wissenschafter.

Hanns-Christian Gunga, Leiter des Zentrums für Weltraummedizin am Berliner Uniklinikum Charite, hält eine permanente Entzündung von Blutgefäßen in der Folge von Raumflügen für wahrscheinlich. Die Studie sei solide gemacht, allerdings sei die Datenlage trotz der Tierversuche "sehr dünn". Ob die kosmische Strahlung die Ursache für die Veränderungen in den Adern ist, könne aus den Ergebnissen nicht mit Sicherheit gefolgert werden. "Uns fehlen maßgebliche Daten, die über den erdnahen Orbit hinausgehen", betonte Gunga auch im Hinblick auf weitere Weltraummissionen. (red, 28.7.2016)

  • Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, ist heute 86 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Zumindest bei ihm dürfte sich die kosmische Strahlung nicht so massiv ausgewirkt haben.
    foto: neil a. armstrong/nasa

    Buzz Aldrin, der zweite Mensch auf dem Mond, ist heute 86 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit. Zumindest bei ihm dürfte sich die kosmische Strahlung nicht so massiv ausgewirkt haben.

  • Ex-Astronaut John Glenn ist 95 Jahre alt und damit der mit Abstand älteste Astronaut der Erde. Das obere Bild zeigt ihn bei seinem historischen Mercury-Atlas-6-Flug, bei dem er als erster US-Astronaut die Erdumlaufbahn erreichte. Auf dem Mond war er allerdings nicht.
    foto: reuters/nasa/ap/paul vernon

    Ex-Astronaut John Glenn ist 95 Jahre alt und damit der mit Abstand älteste Astronaut der Erde. Das obere Bild zeigt ihn bei seinem historischen Mercury-Atlas-6-Flug, bei dem er als erster US-Astronaut die Erdumlaufbahn erreichte. Auf dem Mond war er allerdings nicht.

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