EDF-Verwaltungsrat stimmt für umstrittenes AKW Hinkley Point

28. Juli 2016, 20:14
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Klage Österreichs vor dem EuGH dürfte nach dem Brexit keine Chancen mehr haben

Paris – Der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF hat einem Bericht zufolge grünes Licht für den heftig umstrittenen Bau zweier neuer Atomreaktoren in Großbritannien gegeben. Das Gremium habe mit 10 zu 7 Stimmen für die Investition gestimmt, meldete die französische Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise.

EDF bestätigte diese Information am Abend zunächst nicht und verwies darauf, dass die Sitzung noch andauere. Kritiker halten die Milliardeninvestition für ein Risiko.

Das Projekt in Hinkley Point an der Westküste Englands soll 18 Milliarden Pfund (21,46 Mrd. Euro) kosten. Rund ein Drittel sollen chinesische Partner schultern.

"Diese Entscheidung führt das Unternehmen schnurstracks in den Bankrott und wird zu geringe Investitionen in die nukleare Sicherheit im französischen Kraftwerkspark nach sich ziehen", kritisierte die Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Österreich und andere Staaten klagen vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) gegen die milliardenschweren Staatssubventionen für das Projekt – nach dem angekündigten Austritt Großbritanniens aus der EU dürfte diese Klage allerdings den Boden unter den Füßen verlieren.

Im März war EDF-Finanzchef Thomas Piquemal zurückgetreten, weil er Zweifel hatte, ob das Unternehmen die Investition stemmen kann. Kurz vor der Entscheidung über das Projekt reichte nun auch ein Mitglied des EDF-Verwaltungsrats seinen Rücktritt ein. Der Schwerpunkt des Konzerns verschiebe sich noch mehr in Richtung Kernkraft, kritisierte Gerard Magnin in seinem Rücktrittsschreiben, das die Wirtschaftszeitung "Les Echos" am Donnerstag online veröffentlichte.

Hinkley Point C soll mit seinen beiden Reaktoren des Typs EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) sieben Prozent des britischen Strombedarfs decken. Die Inbetriebnahme ist ab 2025 angepeilt.

EDF ist zu mehr als 80 Prozent im Besitz des französischen Staates. Der Konzern musste im vergangenen Jahr deutliche Gewinneinbußen hinnehmen und will bis 2018 fünf Prozent seiner Arbeitsplätze in Frankreich abbauen. Gewerkschaften hatten daraufhin gefordert, den teuren Neubau in England zu stoppen oder zu verschieben – sie zogen auch vor Gericht, dieser Streit ist nach französischen Medienberichten noch nicht ausgefochten.

Die Pariser Regierung hatte sich aber immer wieder hinter das Projekt gestellt, sie sieht es als Aushängeschild für französisches Know-How. Die Atomindustrie des Landes steckt in einem tiefgreifenden Umbau, EDF übernimmt dabei auch das Reaktorgeschäft des defizitären Atomkonzerns Areva. Im April wurde eine Kapitalerhöhung von vier Milliarden Euro angekündigt. (APA, 28.7.2016)

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