Alt-Wien"-Kindergärten: Eltern versammelten sich vor dem Rathaus

28. Juli 2016, 19:17
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Kritik an Informationspolitik und am Umgang der Stadt bei Bereitstellung von Alternativplätzen – Stadträtin Frauenberger stand Betroffenen Rede und Antwort

Wien – Rund dreihundert Menschen haben sich am Donnerstagnachmittag vor dem Wiener Rathaus versammelt, um für den Erhalt der Kindergartenplätze des privaten Trägers "Alt-Wien" einzutreten. Dabei handelte es sich vornehmlich um betroffene Eltern samt Nachwuchs sowie Mitarbeiter. Die zuständige Stadträtin Sandra Frauenberger (SPÖ) stand den Betroffenen Rede und Antwort.

Hauptkritikpunkt war bei vielen die Informationspolitik und der Umgang der Stadt mit der Bereitstellung von Alternativplätzen. Frauenberger stellte sich einem teils durchaus hitzigen Dialog, verwies vor allem auf "Kommunikationsprobleme" und sieht in der vorübergehenden Vergrößerung von Gruppen eine Möglichkeit. "Ich verstehe die Aufregung! Betroffenen rate ich, unbedingt weiter mit uns in Kontakt zu bleiben." Die MA 10 hat unter 01/277 55 55 eine Hotline eingerichtet, die bei der Suche nach Alternativen behilflich ist.

"Wir hoffen heute alle, dass morgen eine Vereinbarung unterschrieben wird", so Frauenberger, die den Betreiber als "eigentlich recht patent" bezeichnete, sich für die nahe Zukunft vorsichtig optimistisch zeigte und praktische Unterstützung zusicherte.

"Die Politik lügt. Ich habe erst gestern den Brief bekommen und heute den ganzen Tag versucht, eine Alternative zu finden. Morgen ist nur bis 12.00 Uhr jemand erreichbar. Niemand kümmert sich um uns", schilderte eine Mutter mit ihrem Kind am Arm unterdessen der APA ihre Sicht der Dinge. "Nicht auf unserem Rücken" stand auf einem bunt bemalten Plakat, das ihren Nachwuchs "zierte".

Gemeint waren damit die Querelen bzw. gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen der Stadt und dem Vereinsverantwortlichen Richard Wenzel, wie die APA von mehreren Teilnehmern der Versammlung vernahm. Viele wünschten eine konstruktive Lösung, damit die Kinder nicht aus ihrer Betreuungssituation gerissen werden müssen. Manchen Eltern schien die Situation besonders nahe zu gehen, es flossen sogar Tränen.

"Das sind keine Autos, die man einfach umparken kann" rief eine Betroffene empört. Frauenberger habe zwar versichert, man werde alternative Betreuungsmöglichkeiten finden, allerdings hätten mittlerweile nicht wenige nicht nur einen Plan B, sondern würden sich auch um einen Plan C und D bemühen, beklagte sie."Müssen wir ja. Und zum Teil ist es schlicht auch eine Frage des Geldes", fügte der Initiator der Elternversammlung vor dem Rathaus, Thomas Frizberg, hinzu. Der Vater zweier Kinder hatte sich zu der Aktion entschlossen, um alle beteiligten Seiten aufzurufen, sich für eine Lösung im besten Interesse der Kinder einzusetzen.

Die Eltern versammelten sich am Friedrich-Schmidt-Platz beim Rathaus, da Wenzel nach einem Fördermittelstopp seitens der Stadt Anfang der Woche drohte, die 33 "Alt-Wien"-Standorte zu schließen. Die Stadt stoppte die Zahlungen, da sie dem Betreiber vorwirft, Gelder "widmungswidrig" verwendet zu haben. Gleichzeitig fordert sie die Rückzahlung von – aus ihrer Sicht – "zu Unrecht" erhaltener 6,6 Millionen Euro.

Mittlerweile steht eine Einigung im Raum. Für morgen, Freitag, ist ein Termin zwischen Rechtsvertretern der MA 10 (Wiener Kindergärten) und des Trägervereins anberaumt. Wenzel hatte am gestrigen Mittwoch einigermaßen überraschend wissen lassen, dass er sich nun doch dazu bereit erkläre, einen Vergleich mit der Stadt einzugehen. Er könne mehr als 2.000 Kinder und gut 300 Mitarbeiter schließlich nicht auf die Straße setzen, meinte er diesbezüglich.

Diese eigentlich gute Nachricht, vermochte die Stimmung der Versammlungsteilnehmer jedoch nicht sonderlich zu verbessern. "'Alt-Wien' hat jetzt völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf. Wer bewirbt sich denn hier jetzt?", fragte beispielsweise eine Mutter. (APA, 28.7.2016)

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