Keine Entschädigung für Spaniens Contergan-Opfer

28. Juli 2016, 17:22
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Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte gilt als letzte Chance – die Opfer-Vereinigung "Avite" hat aber wenig Hoffnung

Madrid – Die spanischen Opfer des Contergan-Arzneimittel-Skandals müssen ihre Hoffnung auf finanzielle Entschädigung wohl endgültig begraben. Das Verfassungsgericht in Madrid hat einen Einspruch der Opfer-Vereinigung "Avite" gegen ein negatives Urteil des Obersten Gerichtshofs Spaniens nicht zugelassen, wie Avite-Vizepräsident Rafael Basterrechea am Donnerstag mitteilte.

Man erwäge zwar noch eine Anrufung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg, sagte Basterrechea der Nachrichtenagentur efe. Die Hoffnung sei aber allem Anschein nach mehr als gering. "Das ist das Ende", sagte der 51-jährige Bauingenieur Basterrechea – selbst ein Opfer – resignierend.

Dabei hatte ein Madrider Bezirksgericht den Betroffenen 2013 noch Recht gegeben: Die rund 180 Kläger bekamen für jeden Prozentpunkt der Behinderung damals eine Entschädigung von jeweils 20.000 Euro zugesprochen. Richterin Gemma Fernandez Diaz hatte dem Unternehmen damals "nachlässiges Verhalten" zur Last gelegt, weil es in Spanien Medikamente mit dem Contergan-Wirkstoff Thalidomid vertrieben habe, obwohl es bereits von der Schädlichkeit gewusst habe.

Verjährungsfrist überschritten

Der zur Zahlung verurteilte deutsche Pharma-Konzern Grünenthal ging allerdings in Berufung. Die Konsequenz: Sowohl das Madrider Landgericht als auch das Oberste Gericht urteilten im Sinne des heute in Aachen ansässigen Unternehmens. Unter anderem hieß es, die Verjährungsfrist sei zum Zeitpunkt der Anklageerhebung im Jahr 2012 bereits lange abgelaufen gewesen.

Grünenthal behauptet, einige spanische Betroffene hätten schon seit 1973 Leistungen von der Conterganstiftung bekommen. Zudem erhielten viele Kläger finanzielle Unterstützung von der spanischen Regierung oder von anderen Stellen. Basterrechea, der einen verkürzten linken Arm mit deformierter Hand hat, sieht das anders: "Spanien ist das einzige Land der Welt, in dem der erwiesenermaßen Schuldige sich nicht verantworten muss."

Das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan hatte Ende der 1950er-Jahre einen der größten Arzneimittelskandale ausgelöst. Weltweit kamen 10.000 Kinder mit schweren körperlichen Missbildungen zur Welt, davon 5.000 in Deutschland. Nach Avite-Angaben gab es in Spanien rund 3.000 Betroffene. (APA, dpa, 28.7.2016)

  • Contergan wurde nach Bekanntwerden der Nebenwirkungen vom Markt genommen. In Spanien kämpfen Betroffene bis heute um finanzielle Entschädigung.
    foto: apa/dpa/frank leonhardt

    Contergan wurde nach Bekanntwerden der Nebenwirkungen vom Markt genommen. In Spanien kämpfen Betroffene bis heute um finanzielle Entschädigung.

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