Steuerreform: Viel aufgestaut

Kommentar28. Juli 2016, 17:02
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Die Steuerreform war gut gemeint, aber bei weitem kein Dammbruch

Auf den ersten Blick möchte man fast den Kopf schütteln über ein Umfrageergebnis, das am Donnerstag über die Bildschirme ratterte. Demnach gibt die Mehrheit der Österreicher an, von der Steuerreform nichts zu spüren. Und davon finden vier Fünftel, dass die Ebbe in den Geldbörsen an den steigenden Preisen von Gütern des täglichen Bedarfs liege. Wie geht das zusammen mit der größten Entlastung aller Zeiten? Und warum wird die Teuerung strapaziert, wenn die Inflation dauerhaft niedrig – für zahlreiche Ökonomen zu niedrig – ist?

Nun, ganz so schlecht ist das Gespür der Menschen vielleicht gar nicht. Ein Blick in die Budgetzahlen gibt hier Aufschluss. Demnach sank das Lohnsteueraufkommen im ersten Halbjahr um eine Milliarde Euro. Legt man diese Summe auf die Lohnsteuerpflichtigen um, ergibt sich ein Steuerbonus von rund 40 Euro im Monat. Wer dann vielleicht noch wegen der Steuererhöhung auf Nächtigungen oder Tierfutter betroffen ist, Sozialabgaben auf das Jubiläumsgeld abführen muss oder gar wegen der Umstellung der Grunderwerbsteuer bei Erbschaften zur Kasse gebeten wird, für den wird aus der Entlastung rasch eine Belastung.

Die Preise wiederum steigen zwar langsam, aber immer noch viel schneller als im EU-Durchschnitt. Und das seit vielen Jahren. Da hat sich – ebenso wie bei der ständig steigenden Steuerbelastung – einiges aufgestaut. Die Steuerreform war gut gemeint, aber bei weitem kein Dammbruch. (Andreas Schnauder, 28.7.2016)

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