Das Indie-Game der Woche: "Necropolis"

30. Juli 2016, 11:00
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Der stylische Dungeon-Crawler "Necropolis" entführt kurzweilig in tiefe Kerker – ein leichter Sommersnack, am besten für Teamspieler

"Low-Poly" ist in. Der an die Frühzeit der Playstation-Ära erinnernde Grafikstil lässt den Anspruch auf Fotorealismus links liegen und erfreut durch kantige Modelle und simple Geometrien. In Verbindung mit moderner Beleuchtung und atmosphärischen Effekten spielen Titel wie das vor kurzem vorgestellte "Inside" durchaus reizvoll mit dem Kontrast aus Retro und moderner Grafik. Auch "Necropolis" (Windows, 29,99 Euro, PS4 und XBox One in Kürze) hat sich dem Stil mit Kanten und Ecken verschrieben und gestaltet seine zufallsgenerierte Welt aus immer tieferen Kerkern samt seinen Monstern im schicken Low-Poly-Look.

Die Entwickler des Kickstarter-Erfolgs "Shadowrun Returns" haben das Genre des dialoglastigen Rollenspiels verlassen und konzentrieren sich in "Necropolis" auf eine andere Art von RPG: Der "Diabolical Dungeon Crawler" bedient sich bei Rogue-lites der Marke "Spelunky" ebenso wie beim Action-RPG-Klassiker "Diablo" sowie – heutzutage immer öfter gesehen – am Ausnahmespiel "Dark Souls". Als zu Beginn schwächliche Abenteurer kämpfen sich Spielerinnen und Spieler alleine oder mit bis zu drei anderen Mitstreitern bis zur tiefsten, zehnten Ebene in der titelgebenden Totenstadt vor, sammeln dabei allerhand Waffen und Gegenstände und müssen sich gegen unzählige Gegner zur Wehr setzen.

harebrainedschemes

Leichte Sommerkost

Das Kampfsystem erinnert mit seiner Balance aus Deckung und Ausdauermanagement an "Dark Souls", ohne dessen Tiefe zu erreichen – immerhin bietet dafür jeder der vielen verschiedenen Waffentypen eigene Spezialattacken, die vor allem im Teamplay sinnvoll zur Anwendung kommen. Beim Bildschirmtod als Einzelspieler heißt es sofort wieder zurück an den Start, Mehrspieler können sich gegenseitig wiederbeleben und müssen erst beim Versagen der gesamten Gruppe ins "Game Over".

Die sowohl für Rogue-likes als auch "Dark Souls" typische Härte kommt somit hauptsächlich für Einzelspieler zum Tragen. Für die Erledigung immer neuer Zufallsquests erhält man eine Währung, mit der man etwas permanentere Charakterverbesserungen freischalten kann – sie verleihen dann zum Beispiel vampirische Kräfte oder lassen die Ausdauer schneller regenerieren.

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"Necropolis" weiß die ersten Stunden durchaus zu begeistern: Neue Waffen, neue Gegner und ein sympathisch schräger Humor machen die Monsterjagd allein, aber vor allem im Team zur kurzweiligen Angelegenheit. Mit fortschreitender Spieldauer macht sich allerdings leichte Ernüchterung breit: "Necropolis" lebt vom Konzept von Tod und Neustart, da ist es umso bedauerlicher, dass sich außer dem Layout der Kerker kaum etwas ändert. Sowohl Monster als auch Gegenstände bieten zu wenig Variation, um längerfristig zu motivieren – das ist schade, denn für gewöhnlich versprechen gerade eben Rogue-lites schier endlosen Wiederspielwert. Die Entwickler haben auf diesbezügliche Kritik bereits reagiert und eine schrittweise Nachbesserung "in den kommenden Wochen" angekündigt. Als leichter Sommersnack zwischendurch kommt das stylische Kerkerabenteuer aber auch schon jetzt gerade recht. (Rainer Sigl, 30.07.2016)

"Necropolis" (Windows, 29,99 Euro, PS4 und XBox One in Kürze)

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