Immofinanz hofft auf Fusion mit CA Immo und Russland-Verkauf

28. Juli 2016, 14:56
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Verkäufe bis zu einer Milliarde Euro binnen weniger Jahre geplant, der Klotz Russland könnte noch heuer losgeschlagen werden

Wien – Wegen der Belastungen durch das Russland-Portfolio ist der Immofinanz-Konzern 2015/16 noch tiefer in die Verlustzone gerutscht, stellt sich jetzt aber mit Portfolio-Bereinigungen und Kostensenkungen neu auf. Russland könnte man noch heuer loswerden, es gebe "erhebliches Interesse", so der CEO. Er zeigte sich auch zuversichtlich für die Gespräche zur geplanten CA-Immo-Fusion.

Zusammen könnten Immofinanz und CA Immo in eine Liga von nur zehn Playern in Europa aufsteigen, die mit einem 10-Mrd.-Euro-Portfolio leichter agieren könnten, betonte CEO Oliver Schumy: "Das kann keiner für sich alleine." An der Börse war die Immofinanz zuletzt rund 2,3 Mrd. Euro wert, die CA Immo gut 1,6 Mrd. Euro. Für die CA-Immo-Fusionsgespräche zeigte sich der CEO zuversichtlich. Man stehe zwar erst am Anfang eines Prozesses, doch würden bei der geplanten Verschmelzung beiden Partnern "sehr sehr viele Vorteile winken".

Weg frei für Fusionsgespräche

Frei ist der Weg für Fusionsgespräche nach dem Closing des im Frühjahr ausgehandelten Erwerbs einer 26-Prozent-Beteiligung der Immofinanz an der CA Immo – für das die kartellrechtlichen Genehmigungen erfolgt sind. Neben den exakt 25,69 Prozent geht es auch um vier Namensaktien mit speziellen Rechten, für deren Übertragung die CA Immo das Okay gegeben hat, Eintragung und Closing werden für August erwartet. In 12 bis 18 Monaten soll es zur Verschmelzung auch Hauptversammlungen bei beiden Partnerunternehmen geben.

Schumy schließt nicht aus, dass der Konzern das belastende Russland-Portfolio noch heuer in Form einer Verkaufsvereinbarung loswerden könnte. Die Trennung ist wichtige Voraussetzung für die geplante Verschmelzung mit der CA Immo. Laut Schumy gibt es "erhebliches Interesse an dem Portfolio", vor allem von lokalen Retail-Playern. "Grundsätzlich ist jeder willkommen, der einen vernünftigen Preis bezahlt", sagte er. Eine Abspaltung samt Börsengang als mögliche Alternative bestätigte er heute, ein Verkauf gehe aber rascher.

Geringe Mieterlöse in Russland

Vor allem wegen Russland und Einmaleffekten wie etwa Aufwendungen für Anlegerverfahren stieg der Konzernverlust 2015/16 (per 30.4.) von 376,6 Mio. auf 390,4 Mio. Euro. Der Verlust war primär Folge negativer Effekte aus der währungsbereinigten Immobewertung für Russland im Ausmaß von minus 469,8 Mio. Euro sowie der geringeren Mieterlöse. Die Mieterlöse seien wegen temporärer Mietreduktionen in Moskau und plangemäß durchgeführter Immoverkäufe um 18,4 Prozent von 385,6 Mio. auf 314,5 Mio. Euro gesunken, hieß es. Vom gesamten Rückgang der Mieterlöse um 71,1 Mio. Euro gingen allein 54,1 Mio. Euro auf das Konto von Russland, rechnete Finanzvorstand Stefan Schönauer am Donnerstag im Bilanzpressegespräch vor.

Nach der Trennung von der Logistik-Sparte plant die Immofinanz auf Sicht von zwei, drei Jahren auch den Verkauf von nicht zum Kern-Portfolio passenden Büro- und Einzelhandels-Immobilien im Volumen von rund einer Milliarde Euro, so Vorstandsdirektor Dietmar Reindl vor Journalisten. Allein 560 Mio. Euro davon sollen auf Büros entfallen, 320 Mio. Euro auf den Einzelhandel.

Einsparung bei Refinanzierung

Der Büro-Vermietungsgrad soll weiter steigen, von zuletzt 81,7 Prozent im abgelaufenen Geschäftsjahr auf über 85 Prozent zu Ende des Rumpfjahres 2016 (Mai bis Dezember). Für den Einzelhandel geht Reindl von einer Steigerung des Vermietungsgrades von 91,1 auf rund 93 Prozent aus (inkl. Russland), ohne Russland sogar auf über 95 Prozent.

Bei den Refinanzierungen sieht CFO Schönauer erhebliches Kostensenkungspotenzial. Für ein Nominale von aktuell knapp 630 Mio. Euro solle es möglich sein, die durchschnittliche Zinsbelastung von momentan 4,4 Prozent auf 2,6 Prozent zu senken, das bedeute eine Einsparmöglichkeit von rund 11 Mio. Euro pro Jahr. Ebenso reduziere man die Gemeinkosten, etwa beim Personal. Ins abgelaufene Geschäftsjahr sei man im April 2015 noch mit 850 Mitarbeitern gestartet, hier senke man auf 705 ab und nehme zusätzlich noch für rund 100 Leute ein Outsourcing vor. Die Personalkosten würden sich damit um 18 Prozent auf 41 Mio. Euro reduzieren gegenüber noch 50 Mio. in 2015/16. (APA, 28.7.2016)

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