Lebensmittelindustrie meidet Palmöl so weit wie möglich

28. Juli 2016, 14:52
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Österreich importiert pro Jahr 43.000 Tonnen Palmfett. Über dessen genaue Verwendung ist wenig bekannt

Wien – Die Verwendung von Palmöl steht scharf in der Kritik: Lebensmittel, Waschmittel, Kosmetika, Treibstoffe – das Fett kommt in immer mehr Produkten des täglichen Lebens vor. Das wird heftig kritisiert, denn für den Anbau der Pflanze müssen Teile des Regenwalds gerodet werden.

Dennoch ist nicht recht bekannt, wofür das Palmöl in Österreich genau verwendet wird. 43.088 Tonnen wurden im Jahr 2014 importiert, ergab eine parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Leopold Steinbichler vom Team Stronach im Juni. Was mit dem Fett gemacht wird, ist nur annäherungsweise bekannt.

Branche kehrt Palmöl den Rücken

Zu beobachten ist, dass Palmöl aus der Lebensmittelindustrie doch etwas verschwindet, zumindest bei österreichischen Produkten. Die Branche versucht zu substituieren, wo geht, heißt es. Der Importrückgang auf 43.000 Tonnen nach fast 54.000 Tonnen im Jahr 2010 dürfte darauf zurückzuführen sein. Denn die Nahrungsmittelindustrie muss auf ihren Produkten genau anführen, welche Ingredienzien verwendet wurden. Palmöl macht bei den ökologisch aufmerksamen Kunden keinen schlanken Fuß.

Also versucht die Branche schon des Längeren, das Palmöl zu ersetzen, wo es nur geht. Die Chiphersteller beispielsweise führen stolz auf ihren Packungen an, dass sie jetzt Sonnenblumenöl verwenden. Der Umstieg war gar nicht so einfach, heißt es, da Sonnenblumenöl schnell ranzig werden kann. Überhaupt gebe es für das Palmfett bei vielen Süßigkeiten keinen richtigen Ersatz. Nutella beispielsweise erhält dadurch seine streichfähige Konsistenz.

Gut für Süßwaren geeignet

Palmfett ist bei "normaler" Temperatur fest. Der Schmelzpunkt liegt bei etwa 35 Grad. Damit eignet es sich gut für Frittierfette in Großküchen und bei den Süßwarenherstellern, etwa für Füllcremen.

Jedenfalls nicht zum Einsatz kommt Palmöl bei den Eisproduzenten, zeigt eine Rundfrage des STANDARD. Sowohl Unilever (Eskimo) als auch Nestlé (Schöller) haben Palmfett weitestgehend durch andere Fette ersetzt. Bei den eingesetzten Pflanzenfetten handelt es sich meistens um Kokosfett, insbesondere dann, wenn das Eis eine Schokofettglasur hat. Kokosfett hat seinen Schmelzpunkt bei etwa 24 Grad – ideal also, um sich im Mund aufzulösen. Und die sogenannten handwerklichen Erzeuger von Speiseeis weisen die Verwendung von Palmöl sowieso weit von sich. Nur Milchfette würden verwendet.

Hoher Schmelzpunkt

Auch bei der Verwendung von Palmöl als verteufelter Biosprit liegen die Dinge ein bisschen anders als gemeinhin kolportiert. Da sind es oft Altfette aus der Großküchenfritteuse, die den pflanzlichen Fetten, vulgo Biodiesel beigemischt werden. Außerdem, so die Anfragebeantwortung durch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP), wird jährlich aus der EU ein Biodieselgemisch importiert, bei dem auch Palmöl drin ist. Die Gesamtmenge des Gemischs: 33.000 Tonnen im Jahr.

Außerdem kommt Palmöl auch bei Biomassekraftwerken zum Einsatz, wo es wie andere Biomasse auch verbrannt wird. Vor allem in Italien und den Niederlanden, wo es große Heizkraftwerke in der Nähe von Häfen gibt, sei dies der Fall.

Große Teile der österreichischen Palmölimporte werden also vor allem von den Reinigungsmittelherstellern verwendet – für Waschmittel, Salben, Kosmetika. Da ist die Aufregung des Konsumenten auch nicht so groß. Bei Waschmitteln gibt es überhaupt keine Kennzeichnungspflicht, und bei Kosmetika wird verschämt mit lateinischen Ausdrücken hantiert. Da wird beispielsweise Sodium palmate oder Elaeis guineensis angeführt. Auch Hydrogenated Palm Kernel Glycerides kann angeführt sein. Dies ist die Bezeichnung für mit Wasserstoff gesättigtes Öl aus den Kernen der Ölpalme. Überhaupt ist es so, dass sich hinter dem Begriff "pflanzliches Öl" Palmfett verstecken kann. (Johanna Ruzicka, 28.7.2016)

  • Palmöl steht in der Kritik, da für den Anbau großflächig Regenwald gerodet wird.
    foto: yt haryono

    Palmöl steht in der Kritik, da für den Anbau großflächig Regenwald gerodet wird.

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