Salzburg im Konsumenten-Vergleich meisterlich

28. Juli 2016, 13:35
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VKI nahm Fußball-Bundesligisten unter die Lupe – St. Pölten vor den Wiener Topklubs – Aufholbedarf bei Gästesektoren, Webseiten und Familienfreundlichkeit

Wien – "Käfige" als Gästesektoren und Rollstuhlbereiche mit Stiegenaufgang: Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat die 20 österreichischen Fußball-Bundesliga-Klubs und deren Stadien in der Saison 2015/16 auf Herz und Nieren getestet und dabei sowohl Vorbildhaftes gefunden als auch Platz für Verbesserungen geortet. Meisterlich schnitt nicht nur in sportlicher Hinsicht Red Bull Salzburg ab.

Kriterien bei dem Konsumenten-Test waren auch die Webseiten der Vereine, der Social-Media-Auftritt und der Ablauf des Ticketverkaufs. Als wichtigsten Punkt sahen die VKI-Tester jedoch die Bedingungen für die Fans im Stadion. Reinhard Herovits, Vorstand der Österreichischen Fußball-Bundesliga, sieht die Untersuchung als "willkommene Maßnahme", denn "Profifußball ist auch Freizeitdienstleistung", sagte er am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

St. Pölten vor den Wiener Top-Klubs

Als klarer Testsieger ging laut Projektleiter Walter Hager der FC Red Bull Salzburg hervor. "Die waren in jedem Bereich ganz vorne dabei", berichtete er. Die Salzburger schnitten in allen Kategorien – und daher auch insgesamt – mit "sehr gut" ab. Herausragend sind hier Webauftritt bzw. die Familienfreundlichkeit. Auf Platz zwei landete der SKN St. Pölten, bei dem die VKI-Experten höchstens beim Webauftritt bzw. bei der Gastronomie im Stadion Verbesserungsbedarf feststellten. Ebenfalls mit "sehr gut" wurde der SK Sturm Graz bewertet. Der Drittplatzierte könnte höchstens beim Angebot für Familien nachbessern, sagte Hager.

Mit einem "gut" reihte sich auf Platz vier Rapid Wien ein – allerdings noch nicht mit dem neuen Allianz-Stadion in der Wertung. "Das wird nachgetestet", versprach Hager und prophezeite den Grünen damit auch einen Sprung nach vorne. Ebenfalls "gut" schnitten Wacker Innsbruck, SV Ried, FK Austria Wien und SV Grödig ab. Der Rest der Tabelle wurde mit den Prädikaten "durchschnittlich" bzw. "weniger zufriedenstellend" bedacht.

"Die meiste Luft nach oben gibt es bei den Gästesektoren", sagte Hager. Oft bekämen die Gästefans "nichts zum Trinken, nichts zum Essen und müssen sich zwei Toiletten teilen". "Käfigstadien sollten endlich der Vergangenheit angehören", forderte auch VKI-Geschäftsführer Rainer Spenger. Ein weiterer Wunsch des VKI wären rauchfreie Stadien – oder zumindest rauchfreie Familiensektoren.

Der Gang aufs WC

Dass Red Bull Salzburg mit etwa 50 Millionen Euro Budget an der Spitze steht, während der FAC Wien mit weit weniger als einem Zehntel davon am Ende des Rankings liegt, verwundert nicht. Manche Dinge bräuchten jedoch nicht viel Budget, um sie zu verbessern, sagte Herovits. Bei fehlenden Informationen auf der Homepage oder schmutzigen Toilettenanlagen könne man auch mit kleinem Budget rasch Verbesserungen herbeiführen. Apropos Toiletten: Die reichten laut Auskunft eines Testers von "unterirdisch" bis hin zu "mit Schmetterlingsduft".

Nicht nur bei so manchen WC-Anlagen staunten die VKI-Mitarbeiter, die jedem Verein an einem Matchtag für sechs bis sieben Stunden einen Besuch abstatteten, nicht schlecht. Bei Austria Salzburg gab es im Gästesektor zum Beispiel keine Damentoiletten, nur einen Verweis auf das Klo der männlichen Kollegen.

Im Happel-Stadion bemühte man sich vor den Augen der Tester um ein familienfreundliches Angebot – und ließ Kinder in den dunklen Betonkatakomben im Stadion auf eine Torwand schießen. "Eine Alibi-Aktion", so das Urteil. Das negative Highlight bot sich den VKI-Teams jedoch beim FAC, wo eine Treppe zum Rollstuhlbereich führt. (APA, 28.7.2016)

  • Testsieger Salzburg: Konsumentenfreundlichkeit muss aber nicht zwingend mit einem fetten Budget einher gehen.
    foto: apa/krug

    Testsieger Salzburg: Konsumentenfreundlichkeit muss aber nicht zwingend mit einem fetten Budget einher gehen.

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