Neue Technik zeigt, wie Blutzellen "erwachsen werden"

28. Juli 2016, 12:02
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Schweizer Forscher konnten mit neuer Mikroskopiertechnik Blutstammzellen während des Reifungsprozesses mit bisher unerreichter Präzision beobachten und vermessen

Zürich – Jede Sekunden produziert unser Knochenmark Millionen neuer Blutzellen. Je nach Typ transportieren diese Sauerstoff, verschließen Wunden oder wehren Erreger ab. Damit die Blutproduktion funktioniert und weder Blutarmut noch Leukämien entstehen, braucht es exakte Steuermechanismen.

Wissenschafter der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben nun neue Erkenntnisse darüber gewonnen. Die Zellen unseres Blutes werden im Knochenmark "geboren": Die roten Blutkörperchen, die Blutplättchen und Leukozyten gehen dabei auf dieselben Stammzellen zurück und reifen heran, um ihre spezifische Funktion zu erfüllen: Sauerstoff in alle Gewebe und Organe des Körpers zu transportieren, Krankheitserreger oder Fremdkörper abzuwehren oder eine Wunde zu verschließen.

Jahrzehntelanger Irrtum

Damit die richtige Menge jedes Zelltyps entsteht und die Zellen auch funktionstüchtig sind, steuern spezifische genetische Programme das Zellschicksal. Die ETH-Wissenschafter haben nun eine neue Mikroskopiertechnik zur Zellbeobachtung entwickelt, um diesen Reifungsprozess genauer unter die Lupe zu nehmen. Damit konnten die Experten um Timm Schroeder vom Departement für Biosysteme in Basel lebende Blutstammzellen während des Reifungsprozesses mit bisher unerreichter Präzision beobachten und vermessen.

Dabei quantifizierten sie auch zwei sogenannte Transkriptionsfaktoren, die eine Schlüsselrolle für die genetischen Programme spielen, wie sie im Fachjournal "Nature" berichten. Ein weiteres Ergebnis: Die Forscher konnten eine Annahme, die sich während Jahrzehnten in der Forschung gehalten hatte, widerlegen. Nämlich dass die beiden Transkriptionsfaktoren darüber entscheiden, in welche Richtung sich die junge Blutzelle entwickelt – also ob sie ein Blutplättchen, ein rotes Blutkörperchen oder etwas anderes wird. "Wir konnten zeigen, dass das nicht der Fall ist und andere Mechanismen für diese Entscheidung verantwortlich sein müssen", erklärt Schroeder. (APA, 28.7.2016)

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