Tor-Projekt bestätigt Vorwürfe gegen Jacob Appelbaum

28. Juli 2016, 11:12
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Untersuchungen zeigten, dass sich Appelbaum "sexuell aggressiv" verhalten habe, sagt das Tor-Projekt

Die Nachricht erschütterte Anfang Juni die netzpolitische Szene: Jacob Appelbaum, einer der berühmtesten Datenschutz-Aktivisten, verließ nach Vorwürfen der sexuellen Nötigung das Tor-Projekt, das wiederum als eine der wichtigsten Initiativen im Bereich der Datensicherheit gilt. Appelbaum soll Unterstützerinnen des Projekts sexuell belästigt und sogar genötigt haben. Das Tor-Projekt, das etwa einen anonymisierenden Browser anbietet, leitete daraufhin eine Untersuchung ein.

Fehlverhalten anderer Mitarbeiter entdeckt

Jetzt gab die Organisation bekannt, dass sich die Vorwürfe gegen Appelbaum bestätigt haben. Mehrere Personen attestierten Appelbaum ein "sexuell aggressives Verhalten", sowohl bei Mitarbeiterinnen als auch bei Unterstützerinnen außerhalb der Initiative. "Wir können bestätigen, dass die Vorfälle so passiert sind, wie sie uns anfangs dargelegt wurden", schreibt Tor-Direktorin Shari Steele in einem Blogbeitrag. Außerdem habe das Tor-Projekt zwei weitere Mitarbeiter entdeckt, die ein ähnliches Verhalten an den Tag gelegt hatten. Die Zusammenarbeit mit beiden wurde beendet.

"Komplett falsch"

Steele bedankte sich bei allen Personen, die "das Schweigen rund um Jacobs Verhalten gebrochen haben." Appelbaum selbst hatte die Vorwürfe Anfang Juni als "komplett falsch" bezeichnet. Unklar ist, wie sehr der Bericht Appelbaums Ansehen tatsächlich schadet. Auch gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange gibt es heftige Vorwürfe, er soll zwei Schwedinnen vergewaltigt haben. In weiten Teilen der netzpolitischen Community ist die Unterstützung für ihn dennoch ungebrochen. So gibt es Versuche, die Vorfälle um Assange und Appelbaum als Geheimdienstoperationen abzutun. Im Unterschied zu Assange gibt es bei Appelbaum bislang allerdings noch keine polizeilichen Ermittlungen. (fsc, 28.7.2016)

  • Jacob Appelbaum hatte die Vorwürfe als "komplett falsch" bezeichnet
    foto: apa/epa/christians

    Jacob Appelbaum hatte die Vorwürfe als "komplett falsch" bezeichnet

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