Gut Ausgebildete haben den Job-Blues: Zwei Drittel sind pessimistisch

29. Juli 2016, 06:00
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Fast zwei Drittel der Akademiker schätzen die Situation am Arbeitsmarkt als "schlecht" oder "sehr schlecht" ein. Das liegt auch an den Ansprüchen an die Arbeitgeber

Gut ausgebildet, zwischen 30 und 49 Jahre alt und unzufrieden – die aktuelle Situation am österreichischen Arbeitsmarkt sehen 63 Prozent der Jobsuchenden dieser Altersklasse als "schlecht" an, fast jeder Dritte davon sogar als "sehr schlecht". Das ergibt eine Umfrage unter Bewerbern, die von der Personalberatung Michael Page im aktuellen Job Confidence Index veröffentlicht wurde. Schlechter als Österreich schneiden im Europavergleich lediglich die Franzosen (66 Prozent), Italiener (75 Prozent), Portugiesen (78 Prozent) und Spanier (82 Prozent) ab.

Damit rangiert Österreich im unteren Mittelfeld. Auch für die Zukunft zeichnen die 30 bis 49-Jährigen kein positiveres Bild: Lediglich 39 Prozent der Befragten glauben, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt in Zukunft verbessern wird.

Anspruch und Wirklichkeit

Die europaweite Umfrage beruht auf Antworten von rund 16.000 Kandidaten aus zwölf Ländern. In Österreich haben im ersten und zweiten Quartal 2016 181 Kandidaten, die sich für eine Position über die Webseiten von Michael Page beworben haben, an der Befragung teilgenommen

Grund für diese Ergebnisse sind laut Michael Page Österreich veränderte Anforderungen an den Arbeitgeber, die viele Bewerber mitbringen. Diese werden von Unternehmen noch unzureichend erfüllt. Waren es früher meist finanzielle Anreize, mit denen Mitarbeiter motiviert werden konnten, so sind es heute Faktoren wie Arbeitsklima, Führungsqualitäten und Entwicklungschancen, die Jobsuchenden wichtig sind.

"Die Erhebungen im Job Confidence Index zeigen, dass über die Hälfte aller Bewerber (61 Prozent) bei Neuanstellung von einem Gehaltssprung ausgeht. Allerdings sind fast 40 Prozent der Befragten auf Jobsuche, da sie sich persönlich weiterentwickeln wollen. Arbeitgeber setzen hier oft zu wenig Reize, um ihre Mitarbeiter zu fördern und im Unternehmen zu halten", weiß Christoph Trauttenberg, Director der Personalberatung Michael Page Österreich.

Für sich selbst oprimistischer

Themen wie Work-Life-Balance, Weiterbildungsmöglichkeiten und Aufstiegschancen müssten in den Führungsstrategien moderner Unternehmen Einzug halten, so Trauttenberg. Gleichzeitig rät er Bewerbern aber auch, ihre Anforderungen realistisch zu halten: "Die Arbeitswelt ist im Umbruch, Umstellungsprozesse in der Unternehmensführung benötigen aber ihre Zeit."

Die allgemeine Situation am österreichischen Arbeitsmarkt sieht Christoph Trauttenberg zwar als herausfordernd an, die negative Gesamtstimmung möchte er aber relativieren: "Unsere Umfrage ergibt, dass über 40 Prozent der höher gebildeten Bewerber zwischen 30 und 49 Jahren davon ausgehen, innerhalb von drei Monaten eine Neuanstellung zu finden. Rund 80 Prozent sind zuversichtlich, in spätestens sechs Monaten ihren Wunschjob gefunden zu haben. Diese Werte rücken die negative Grundstimmung in ein neutraleres Licht." (red, 29.07.2016)

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