Medizinische Versorgung in Nigeria schlechter als in Syrien

28. Juli 2016, 09:36
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Der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen zufolge leben in Nigeria 500.000 Menschen unter unhaltbaren sanitären Bedingungen

Genf – Angesichts der humanitären Katastrophe im Nordosten Nigerias sollte die UNO für die Region den "höchsten Dringlichkeitsstatus" ausrufen. Mehr als 500.000 Menschen leben unter unhaltbaren sanitären Bedingungen, sagt die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF).

Dieser gilt derzeit offiziell in Syrien, im Irak und im Jemen. Was die medizinische Versorgung betreffe, herrsche jedoch in Nigeria, "die aktuell schlimmste Situation weltweit", so MSF-Generalsekretär Bruno Jochum in Genf. In vielen Orten hätten die Bewohner keinerlei Zugang zu Hilfslieferungen. Es müsse dringend eine "Pipeline" für den Transport und die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten in der Region geschaffen werden, wo viele Städte und Dörfer von Boko Haram abgeriegelt sind.

Lebensgefährliche Mangelernährung

Als Beispiel nennt MSF die Stadt Banki, wo rund 15.000 Menschen Wasser und Nahrung bräuchten. "Fast 15 Prozent der Kinder unter fünf Jahren sind schwer mangelernährt und schweben in Lebensgefahr." Schätzungsweise jeder zwölfte Mensch sei in den vergangenen sechs Monaten gestorben. "Wenn die Menschen nicht sofort Nahrungsmittel und medizinische Nothilfe bekommen, werden Mangelernährung und Krankheiten weiterhin verheerende Auswirkungen haben", sagt Hugues Robert, der den Nothilfeeinsatz von Ärzte ohne Grenzen koordiniert.

In der Umgebung von Banki haben den Angaben zufolge rund 15.000 Menschen Schutz gesucht, die meisten von ihnen flüchteten vor Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Boko Haram. Die Extremistenorganisation kämpft seit sieben Jahren gegen Nigerias Regierung und für einen islamischen Gottesstaat im Nordosten des Landes. Seitdem wurden mindestens 20.000 Menschen getötet und mehr als 2,6 Millionen vertrieben. (APA, AFP, 28.7.2016)

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