Vom Brexit geschockte Briten treten in Konsumstreik

28. Juli 2016, 08:48
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Verbrauchervertrauen ist auf tiefstem Stand seit 2013, der Autoverband warnt vor Jobverlusten, die Großbank Lloyds macht damit schon ernst

London – Die Stimmung der britischen Verbraucher ist nach dem Brexit-Votum kräftig gesunken. Der Index für das Verbrauchervertrauen des Instituts YouGov und des Centre for Economics and Business Research (CEBR) fiel im Juli um fast fünf Punkte auf 106,6 Zähler und damit auf den tiefsten Stand seit drei Jahren.

"Die Öffentlichkeit ist immer noch mit dem Verarbeiten des EU-Referendums beschäftigt, aber das Verbrauchervertrauen ist einen Monat nach der Abstimmung eindeutig auf Talfahrt gegangen", erklärte YouGov am Donnerstag. Die Briten sorgten sich vor allem um den Wert ihrer Eigenheime. Dies könne sich stark auf den Immobiliensektor und die gesamte Wirtschaft auswirken, warnte CEBR-Direktor Scott Corfe. Zuvor hatten bereits andere Umfragen einen Einbruch des britischen Verbrauchervertrauens ergeben.

Mehr Autos, weniger Jobs

In Großbritannien ist die Autoproduktion im Monat des Brexit-Referendums kräftig angezogen. Im Juni seien 158.641 Autos hergestellt worden, zehn Prozent mehr als vor Jahresfrist, teilte der Chef des Autoverbandes SMMT, Mike Hawes, am Donnerstag mit. Er warnte zugleich vor den Auswirkungen des Brexit-Votums am 23. Juni. Nur wenn es Großbritannien gelinge, den uneingeschränkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt zu erhalten, seien das weitere Wachstum und Tausende Jobs gesichert, so Hawes.

Die britische Autoindustrie hatte sich geschlossen für den Verbleib des Landes in der Europäischen Union ausgesprochen. Die Autobauer des Landes exportieren mehr als die Hälfte ihrer Wagen in die EU.

Personalabbau bei Lloyds

Die britische Großbank Lloyds forciert nach dem Brexit-Votum ihren Sparkurs. 3.000 Jobs sollen zusätzlich wegfallen, weitere 200 Filialen geschlossen werden, wie das führende Privatkundeninstitut mitteilte. Bis Ende 2017 sollen im schwierigen Niedrigzinsumfeld 400 Mio. Pfund (476,90 Mio. Euro) eingespart werden. Lloyds will so seine Gewinn- und Dividendenpläne absichern. Für die ersten sechs Monate wies Lloyds einen Vorsteuergewinn von 2,45 Mrd. Pfund aus, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Damit wurden die Analystenerwartungen übertroffen.

Das überraschende Votum der Briten für einen EU-Austritt Ende Juni hat die britische Wirtschaft so stark abstürzen lassen wie seit den Nachwehen der globalen Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Viele Ökonomen gehen davon aus, dass Großbritannien deshalb in ein Konjunkturtal abgleitet. Experten erwarten daher, dass die britische Notenbank zur Stützung der Wirtschaft im August die Zinsen weiter senken und die Geldschleusen weiter öffnen wird. (Reuters, 28.7.2016)

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