Verbund intensiviert Diät

28. Juli 2016, 16:44
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Österreichs größter Stromerzeuger steigt stärker auf die Kostenbremse und streicht zusätzlich 175 Stellen

Wien – Die Spirale nach unten dreht sich weiter. Weil sich zumindest bis 2020 keine Entspannung an der Preisfront abzeichnet, will Österreichs größter Stromerzeuger, der Verbund, noch mehr sparen – auch beim Personal. So sollen bis 2020 zusätzlich zum bereits laufenden Abbau weitere 175 Stellen gestrichen werden.

"Zusammen sind es 800 Stellen, die wir dann weniger haben werden als zu Beginn des Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramms", sagte Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber bei der Präsentation der Halbjahreszahlen am Donnerstag. 2013 zählte der Verbund noch 3250 Mitarbeiter, aktuell sind es 2940. Der Abbau soll "sozialverträglich" erfolgen und größtenteils 2017 und 2018 passieren. Ziel sei, den freien Cashflow zu erhöhen, um die Schuldentilgung vorantreiben und weiter investieren zu können.

Bis 2019 soll eine Milliarde investiert werden, um 500 Millionen weniger als zunächst geplant. Den Sparkurs bekommen auch die Aktionäre zu spüren: Die Ausschüttungsquote für das Geschäftsjahr 2016 wird, wie bereits kommuniziert, von 50 auf 30 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses von voraussichtlich 290 Mio. Euro verringert. Die Republik ist mit 51 Prozent Mehrheitsaktionär.

Im ersten Halbjahr musste Verbund einen deutlicher als erwarteten Gewinneinbruch hinnehmen. Das operative Ergebnis (Ebit) ging um 37,2 Prozent auf 190,8 Millionen zurück, das Konzernergebnis um 21,6 Prozent auf 153,9 Millionen Euro. Belastet war das Halbjahr durch Wertminderungen im Gesamtausmaß von 90 Millionen. Abschreibebedarf gab es für Windparks in Rumänien, das Gaskraftwerk Mellach und Laufwasserkraftwerke.

Bereinigt um Einmaleffekte wäre das Konzernergebnis um 7,9 Prozent auf 173,9 Millionen, das Ebitda um 1,8 Prozent auf 450,2 Millionen Euro gestiegen.

Für das Gaskraftwerk Mellach rechnet Anzengruber bis Jahresende mit einer Richtungsentscheidung. Die Optionen reichten von Stilllegen bis Verkaufen. Das Kraftwerk, das 550 Millionen Euro gekostet hat und nie wirklich rentabel war, wurde in mehreren Schritten auf 17 Millionen Euro abgewertet. (stro, 28.7.2016)

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