Untergetauchter ehemaliger Guantanamo-Häftling nun in Venezuela

28. Juli 2016, 07:28
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Außenminister: Syrer wollte Hilfe bei Reise in die Türkei

Montevideo – Ein nach Uruguay geschickter Ex-Häftling aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo ist nach mehreren Wochen in Venezuela aufgetaucht. Der uruguayische Außenminister Rodolfo Nin Novoa bestätigte am Mittwoch Berichte, wonach der 44-jährige Syrer Jihad Dijab sich im Konsulats Uruguays in der venezolanischen Hauptstadt Caracas gemeldet habe.

Dort habe er um Hilfe für eine Reise in die Türkei gebeten, wo er seine Familie wiedertreffen wolle. Nach Telefonaten mit dem Roten Kreuz, seinem Anwalt und seinen Angehörigen habe Dijab das Konsulat wieder verlassen, sagte der Minister. Er habe erklärt, nicht nach Uruguay zurückkehren zu wollen.

Dijab war 2014 zusammen mit fünf anderen Guantanamo-Häftlingen nach Uruguay überstellt worden. Sein Verschwinden hatten die Republikaner im US-Kongress für eine weitere Attacke gegen den letzten Versuch von Präsident Barack Obama zur Schließung des Lagers genutzt. Dijab habe als "Fälscher" für das Terrornetzwerk Al-Kaida gearbeitet und könne für andere Extremisten nun Pässe zur Einreise in die USA fälschen, warnten sie.

Obama hatte die Schließung von Guantanamo bei seinem Amtsantritt Anfang 2009 versprochen. Rechtliche Probleme und heftiger Widerstand im Kongress und in der Öffentlichkeit verhinderten aber, dass er das Versprechen erfüllte. Das Parlament verweigerte die finanziellen Mittel für die Abwicklung des Lagers und blockierte die Verlegung von Guantanamo-Häftlingen in andere US-Gefängnisse. Vor allem die oppositionellen Republikaner stellten sich quer.

Im Februar unternahm Obama einen letzten Versuch zur Schließung des Lagers, in das die USA über die Jahre rund 780 Gefangene brachten. Derzeit sitzen noch 76 Häftlinge dort ein. (APA, 28.7.2016)

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