Thiem braucht Auszeit nach Aufgabe in Toronto

27. Juli 2016, 21:00
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Probleme an der linken Hüfte seit zwei Wochen: "Der Körper will jetzt ein Pause"

Toronto – Für Dominic Thiem läuft es weiterhin alles andere als rund. Nach seinem Zweitrunden-Out vor vier Wochen in Wimbledon kassierte der 22-Jährige seine zweite Auftaktniederlage in Folge. War er vergangene Woche in Kitzbühel Jürgen Melzer in zwei Sätzen unterlegen, gab er am Mittwoch in Toronto gegen den Südafrikaner Kevin Anderson bei 1:4 auf.

Schon beim Stand von 1:2 hatte sich Thiem an der Hüfte behandeln lassen, um es nur zwei Games später nach lediglich 21 Minuten Spielzeit bleiben zu lassen. Die Beschwerden trägt Thiem schon länger mit sich herum. "Ich habe seit zwei Wochen ein bisschen Probleme, nachdem ich krank war vor Kitzbühel", sagte Thiem. "Es war in Kitzbühel nicht so schlimm, aber es ist hier schlimmer geworden. Und in der Form hat es keinen Sinn gemacht, da weiterzuspielen."

Die Blessur behindert den Niederösterreicher bei seinem Spiel massiv. "Ich spüre es bei ein paar Schritten. Ich kann beim Aufschlag nicht voll springen, bei der Vorhand mich nicht gescheit hinstellen. Und das reicht auf dem Niveau einfach nicht. Daher habe ich gesagt, ich höre auf und fliege zurück und lasse das abchecken. Ich glaube auch, dass es nichts so Schlimmes ist."

Bresniks Vorwurf an sich selbst

Der nicht mitgereiste Coach Günter Bresnik hatte hingegen schon in Kitzbühel anklingen lassen, den Toronto-Trip eventuell zu streichen. "Ich habe auch gesagt, man soll nicht nach Toronto fliegen, aber wenn einer nicht hört, dann muss er fühlen. Für mich war das ganz klar. Ich habe gewusst, dass das ein Zwei- oder Drei-Tage-Ausflug ist", erklärte Bresnik.

Von den Hüftproblemen Thiems habe er überhaupt erst am Dienstag erfahren, erklärte Bresnik. Für ihn ist Kritik in Sachen Turnierplanung grundsätzlich unangebracht, allerdings spricht auch er vom Adaptieren. "Die Planung war ausgezeichnet, deswegen steht er jetzt in den ersten Zehn. Nur muss man die dann entsprechend angleichen, wenn man in den ersten zehn ist. Für mich persönlich hätte die Turnierplanung nach Paris schon ganz anders verlaufen müssen", sagte Bresnik.

"Wenn jemand was falsch machen möchte, dann kann man ihn davon nicht abhalten", sagte der 55-Jährige. Nicht fit bei einem Event anzutreten, macht für Bresnik keinen Sinn. "Natürlich, wenn er nicht fit ist, spielt er kein Turnier. Da ist mir komplett wurscht, welches Turnier das ist. Das kann auch Wimbledon oder Paris sein."

Bresnik hätte gerne rigoroser durchgegriffen. "Den Vorwurf kann ich mir machen. Bei schlechten Entscheidungen zuschauen, das geht nicht, da muss man durchgreifen."

Verschleiß im ersten Halbjahr

Schon nach dem frühen Ausscheiden in Kitzbühel wollte Thiem seine Probleme medizinisch abklären lassen. Durch den Erfolgslauf mit Dennis Novak bis ins Doppel-Finale war er aber doch bis zum Samstag im Einsatz, schon am Sonntag ging es weiter nach Kanada. Vor der Kitzbühel-Woche hatte Thiem wegen einer Nasen- und Nebenhöhlen-Erkrankung für das ATP-500-Turnier in Hamburg absagen müssen.

Thiem sieht das auch als Ergebnis seines fordernden ersten Halbjahrs, in dem er 48 Partien gewann. Nicht einmal Novak Djokovic kam bis Mittwoch an diese Zahl heran. "Ich habe sehr viel gespielt. Jetzt will der Körper eine Pause. Man kann es ihm nicht verübeln, und ich werde ihm das jetzt geben und dann hoffentlich wieder in Mexiko sehr frisch sein." Beim Turnier in Los Cabos in der übernächsten Woche wäre er topgesetzt.

Vorerst wird Thiem der erste Weg nach der Rückkehr nach Österreich in ärztliche Behandlung führen. "Ich werde ein MR von der Hüfte machen und sonst auch noch Blutwerte checken, ob alles okay ist wegen der Entzündung. Und auf jeden Fall ein paar Tage zu Hause entspannen, und dann werde ich hoffentlich Mexiko spielen." (APA, 27.7.2016)

  • Dominic Thiem muss runtergehen vom Gas.
    foto: apa/gindl

    Dominic Thiem muss runtergehen vom Gas.

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