Voest und Verbund arbeiten an der Zukunft der Stahlproduktion

27. Juli 2016, 17:42
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Um die Dekarbonisierung der Stahlproduktion voranzutreiben, bauen Voestalpine und Verbund in Linz ein gemeinsames Forschungszentrum für Wasserstofftechnologie

Wien – Verbund und Voestalpine intensivieren ihre Zusammenarbeit. Österreichs größter Stromkonzern liefert in den nächsten sechs Jahren nicht nur Strom für die Voestalpine-Werke in Österreich, die beiden Unternehmen gehen auch die mit dem Klimaschutzabkommen angestrebte Dekarbonisierung der Stahlerzeugung generalstabsmäßig an.

Identifiziert wurden abseits der Stromlieferungen, mit denen die Voestalpine ihre Eigenproduktion in Linz und Donawitz arrondiert, drei Anknüpfungspunkte:

Strommanagement: Dabei erbringt der Verbund Regelleistung für ein Volumen von rund 200 Megawatt, um Volatilität, also kurzfristige Schwankungen, auszugleichen, führte Verbund-Chef Anzengruber in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Voestalpine-Chef Wolfgang Eder aus.

Wasserstofftechnologie: Um in der Stahlproduktion langfristig von Koks und Kohle, bei deren Verbrennung enorme Mengen an klimaschädlichem Kohlendioxid freigesetzt werden, unabhängig zu werden, wollen die beiden ATX-Schwergewichte in die Wasserstoffforschung einsteigen. Sie bauen zu diesem Zweck um rund 20 Millionen Euro in Linz, also nächst den Hochöfen der Voest, ein Wasserstoff-Forschungszentrum. Dort soll rein anwendungsorientierte Entwicklung betrieben werden, um aus "Grünstrom" via Wasserelektrolyse Wasserstoff herzustellen, der wiederum als Kernelement für eine dekarbonisierte Stahlerzeugung gesehen wird. Herausforderung dabei ist, Erdgas zu ersetzen und zugleich eine Umwandlungsstufe, die "Dampfreformation", einzusparen, bei der nicht nur erhebliche CO2-Emissionen entstehen, sondern auch zirka 30 Prozent Wirkung der Energie verlorengehen.

Bis Ende 2016 soll der Errichtungsbeschluss für die Wasserstoff-Forschungsanlage vorliegen, Ende 2018 soll die Sechs-Megawatt-Anlage in Betrieb gehen. Wobei viele Details offen sind, weil chemische und physikalische Prozesse noch nicht erforscht sind. Auf dem Papier ist das Ziel jedoch klar: In Zukunft soll Elektrolyse von Wasser mittels Strom aus erneuerbaren Energien zur Hauptquelle von "grünem Wasserstoff" ohne CO2-Emissionen werden. Als Zeithorizont für eine Umstellung auf Wasserstoff sehen die beiden Konzernchefs 15 bis 20 Jahre, alles früher wäre "eine Illusion". "Wenn das gelingt, wäre das ein Riesensprung", sagt Eder, der einmal mehr Unterstützung der Politik einfordert, sei es in Form von Forschungs- oder Start-Förderungen (in Form von Steuererleichterungen für den Anfang). Oder als Investitionsunterstützung, pflichtete Anzengruber bei.

Photovoltaik: Außerdem prüft die Voestalpine an möglichst vielen Standorten Betreibermodelle für Photovoltaikanlagen. Den Anfang macht Leoben (Donawitz), wo zwecks Erhöhung der Eigenstromversorgung eine Photovoltaikanlage errichtet wird. Über ihrer Schlackendeponie gäbe es ausreichend Südlagen, die sich dazu hervorragend eigneten, sagte der für Energieversorgung zuständige Voestalpine-Vorstandsdirektor Franz Kainersdorfer. Von der Politik verlangen beide stabile Rahmenbedingungen in der Klimapolitik. Die EU-Klimaziele sehen, wie berichtet, eine Senkung der CO2-Emissionen um 40 Prozent bis 2030 vor. (ung, 27.7.2016)

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