Belvedere-Neuausschreibung: Zuerst der Skandal, danach die Reform

Kommentar27. Juli 2016, 17:22
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Die Parallelen zur Causa Burgtheater sind frappant

Ohne Spesen wäre nichts gewesen. Denn erst die unzulässigen Reiseabrechnungen von Belvedere-Direktorin Agnes Husslein-Arco haben letztlich dazu geführt, dass dem staatlichen Kulturbetrieb wieder einmal Systemversagen attestiert werden muss. Kulturminister Drozda (SPÖ) leitet daher einen Totalumbau der Führungsebene (inklusive Kuratorium) des Museums ein und zieht sich selbst dabei gleich elegant mit aus der Affäre.

Die Parallelen zur Causa Burgtheater sind frappant: Ein aus der öffentlichen Verwaltung ausgegliederter, aber qua Eigentümerstruktur dem Steuerzahler verpflichteter Kulturbetrieb wird von künstlerischen Direktoren nach eigenem Gutdünken geführt. Das Geld sitzt locker, Regeln werden zu Richtlinien, Privat und Öffentlich verschwimmen; die kaufmännische Leitung schaut zu, trägt mit oder meldet halbherzig dem Aufsichtsorgan. Dort aber sitzen Leute, die öffentlichen Wirbel tunlichst vermeiden wollen. Also wird der Schein gewahrt, wird geduldet und gemauert, bis der Druck zu groß wird. Der Minister soll es dann richten.

Drozdas Ansinnen, nach den Bundestheatern nun auch bei den Bundesmuseen das Berichtswesen zu verbessern, folgt einer dringenden Einsicht. Dass der Minister als Eigentümervertreter bis dato nicht einmal über Protokolle der Kuratoriumssitzungen verfügt hat, ist grob fahrlässig. Es ist wie beim Burgtheater: zuerst der Skandal, danach die Reform. Wenigstens geht es diesmal um weniger Geld. (Stefan Weiss, 27.7.2016)

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