Yvonne Schuring: Von Wolke sieben nach Rio

27. Juli 2016, 18:58
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Zehn Tage vor Olympia-Beginn erfuhr die Kanutin Yvonne Schuring, dass sie doch in Rio paddeln darf. Sie hatte die Quali knapp verpasst, profitiert jetzt von der Sperre einer Russin und startet zusätzlich im Zweier mit Ana Roxana Lehaci. "Eine super G'schicht."

Linz/Wien – Am Mittwoch schwebte Yvonne Schuring noch auf "Wolke sieben". Jetzt darf sie doch noch zu den Olympischen Spielen nach Rio de Janeiro. "Ich war sehr überrascht", sagt die 38-Jährige dem STANDARD. Erst am Dienstag hatte sie von ihrem Glück erfahren. "Das ist eine super G'schicht." Die Oberösterreicherin profitiert ebenso wie Viktoria Schwarz und Ana Roxana Lehaci von der Sperre russischer Flachwasser-Kanutinnen und den dadurch frei gewordenen Startplätzen.

Im Mai hatte sie die Qualifikation für Rio nur knapp verpasst. Jetzt darf sie zum dritten Mal olympisch paddeln, zum ersten Mal im Einer. In Peking 2008 belegte die gebürtige Deutsche mit Viktoria Schwarz im Zweier Platz neun, vor vier Jahren in London wurden die Weltmeisterinnen von 2011 Fünfte.

Ein bisschen hat Schuring ja noch damit gerechnet, nachrücken zu dürfen, aber die Hoffnungen wurden immer kleiner. "Ich bin froh, dass wir sauberen Sportler die Chance bekommen." Hätte sie früher gewusst, dass sie zu den Spielen darf, hätte sie in der Vorbereitung das eine oder andere anders gemacht. Aber sie habe immer weitertrainiert. "Urlaub war kein Thema." Bei der Staatsmeisterschaft gelang ihr kürzlich ein "guter Lauf". Bei der Europameisterschaft Ende Juni in Moskau belegte sie Platz sechs über 500 m. Die Form also sollte passen.

Schuring ist "massiv motiviert"

Und die Motivation sowieso. "Ich bin jetzt massiv motiviert", sagt Schuring. Natürlich sei es besser, sich langfristig vorzubereiten. Aber die Lockerheit könnte in Rio auch ein Vorteil sein. Und die Routine kommt ihr ohnehin zugute. "Ich mache das schon sehr lange. Ich kenne die olympischen Abläufe." In Rio freilich ist sie noch nie gepaddelt.

Wann sie fliegen wird, wusste sie am Mittwoch noch nicht. Es ist halt alles sehr kurzfristig. Aber das Organisatorische wird ihr von ÖOC und Verband abgenommen. "Das ist auch wichtig." Schuring muss nur noch ein paar medizinische Untersuchungen vorlegen. Formsache.

Schurings Ex-Bootspartnerin Schwarz (31) stürzte im Mai beim Schlafwandeln aus sieben Meter Höhe vom Balkon und brach sich dabei die linke Schulter, die Nase und ein Fersenbein. Zuletzt paddelte die Oberösterreicherin aber schon wieder. Schwarz weilt derzeit aus privaten Gründen in São Paulo. Die Oberösterreicherin ist mit einem brasilianischen Parakanuten liiert.

Ihr körperlicher Zustand sollte zulassen, dass sie nun im Einer über 200 Meter paddelt. ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel: "Wir wollen ihr eine faire Chance geben." Schwarz' Platz im Zweier gemeinsam mit der 25-jährigen Lehaci, die erstmals zu Olympischen Spielen darf, nimmt aber ebenfalls Schuring ein. Schuring/Lehaci sollen noch zwei Wochen lang gemeinsam in Linz-Ottensheim trainieren.

Traum vom Finale

Der Einer steht natürlich im Vordergrund. Die olympischen Bewerbe für die Flachwasser-Kanuten und -Kanutinnen beginnen am 15. August. Die Spiele werden am 5. August eröffnet.

Für Schuring ist trotz des späten Glücks Dabeisein ganz und gar nicht alles. Sie will die Erwartungen zwar nicht zu hoch ansetzen, aber: "Der Wunschtraum ist das Finale." Es sei aber alles "recht dicht", also nicht ganz einfach. Vielleicht passiert ja noch eine Überraschung. (Birgit Riezinger, 27.7.2016)

  • Yvonne Schuring hat trotz der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele immer weitertrainiert. Jetzt darf die 38-Jährige doch noch in Rio paddeln.
    foto: apa/shipenkov

    Yvonne Schuring hat trotz der verpassten Qualifikation für die Olympischen Spiele immer weitertrainiert. Jetzt darf die 38-Jährige doch noch in Rio paddeln.

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