"Legend of Tarzan": Der blutleere Herr des Dschungels

28. Juli 2016, 07:37
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Trotz Staraufgebots und animierter Tierwelt fällt die Neuauflage enttäuschend aus, weil sie auf den eigentlichen Reiz des Helden vergisst

Wien – Tarzan, 1912 von Edgar Rice Burrough erdacht und zu Papier gebracht, ist nicht viel jünger als das Kino selbst. Die Beziehung zwischen Figur und Unterhaltungsmedium war stets innig, mehr als 200 Filme sollen es sein, in denen der Herr des Dschungels seinen Auftritt hat. Schon deshalb trägt jede Neuauflage auch etwas von einem Rundum-Check in sich. Welche Lösungen findet das Kino, um von der engen Beziehung eines Mannes zur Natur zu erzählen, und mit welchen Mitteln setzt es beherzte Lianensprünge und andere Fähigkeiten ins rechte Bild?

Legend of Tarzan wurde von Warner als 180 Millionen schwere Tentpole-Produktion hochgehievt, was so viel heißt wie, dass ihr Erfolg den einer ganzen Saison stützen soll. Das schmälert Risikobereitschaft. Inszeniert vom Harry Potter-erfahrenen David Yates, gibt es ein bisschen von überall, Stückwerk und halbgare Ideen, aber keinen Plan, daraus ein organisches Ganzes zu formen. Ein Beispiel? Mit Motion-Capturing-Verfahren will man eine verblüffend authentische Tiererfahrung ermöglichen, doch trotz Affen, Elefanten und Löwen steht die Fauna in diesem Relaunch auf einem Nebengleis.

warner bros. pictures

Der Grund liegt darin, dass Tarzan (Alexander Skarsgård) uns hier kein weiteres Mal als Bio-Pic im Dschungel dargeboten wird. Von seiner Aufzucht unter Affen sehen wir nur kurze Flashbacks, auch seine Liebe zu Jane (Margot Robbie) ist längst über das erste intensive Beschnuppern hinaus. Inzwischen zivilisiert und als John Clayton III identifiziert, kehrt der Brite mit einem Gesandten der US-Regierung (Samuel L. Jackson) in den Kongo zurück. Die Legende, ein leibhaftiger Held: Er soll den Einheimischen gegen den belgischen Fiesling Léon Rom beistehen. Christoph Waltz ruft routiniert sein Fiesling-Repertoire ab.

3-D-Dschungelcamp

Jackson, Waltz und die postkoloniale Agenda des Helden verweisen zwar auf jüngere Filme von Quentin Tarantino, doch weder sind die politischen Zuschreibungen noch die komischen Einsprengsel in diesem Fall besonders pointiert. Legend of Tarzan ist als 3-D-Dschungelcamp angelegt, das sein Vorbild in den Abenteuerritten eines Indiana Jones hat. Tarzans Verfolgung der durch Léon Rom entführten Jane – die zentrale, über Etappen laufende Aktion des Films – fehlt dafür jedoch der nötige Schwung. Der Plot verzettelt sich in Nebensächlichkeiten, die Wendepunkte überzeugen nicht. Auch charakterlich bleibt der einsilbige Tarzan trotz ansehnlichen Muskelspiels hinter dem peitschenschwingenden Anthropologen zurück.

"I imagined it different. Better", sagt Léon Rom, als spät im Film der markante Schrei durch den Dschungel schallt. Tatsächlich klingt er kläglich, so als wäre dem Dschungelmenschen längst klar, dass seine Stärken als Vermittler zwischen den Welten in diesem hochgezüchteten Film nichts gelten. So betrachtet ist Legend of Tarzan ganz Produkt unserer Zeit. Es setzt Heerscharen digitaler Tiere in Bewegung und vergisst darüber auf den Einzigen, der ihre Sprache spricht. (Dominik Kamalzadeh, 28.7.2016)

Jetzt im Kino

  • Wer unter Affen aufgewachsen ist, weiß auch  wie ein solcher zu kämpfen: Tarzan (Alexander Skarsgård) ist in David Yates' "Legend of Tarzan" meist nur körperlich gefordert.
    foto: warner

    Wer unter Affen aufgewachsen ist, weiß auch wie ein solcher zu kämpfen: Tarzan (Alexander Skarsgård) ist in David Yates' "Legend of Tarzan" meist nur körperlich gefordert.

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