BBC-Serie "Poldark": Mit Dreispitz und Courage

27. Juli 2016, 16:53
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Ein Held, wie er im Buche steht, in einer Mischung aus Sturheit, Verwegenheit und Schwermut: eine konservative Angelegenheit, die trotzdem ihren Reiz hat

Er ist ein Held, wie er im Buche steht. Unter seinem Dreispitz blickt er in einer Mischung aus Sturheit, Verwegenheit und Schwermut hervor. Über seine linke Gesichtshälfte zieht sich eine Narbe, die von seinem Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg herrührt. Sie lässt das warme Antlitz des Iren Aidan Turner ein wenig abgründiger erscheinen und festigt zugleich den Eindruck seiner Bestimmtheit.

Die Rede ist von Poldark, der Titelfigur der gleichnamigen BBC-Serie nach William Grahams Romanen, die nun auch bei Sony Entertainment auf Deutsch zu sehen ist. Poldark wurde in den 1970ern schon einmal verfilmt, damals wie heute löste sie einen Cornwall-Boom aus.

Dort nämlich, im südwestlichsten Zipfel von England, wo die Küste so pittoresk vor dem Meer zurückschreckt, ist das Geschehen um den Land- und Minenbesitzer, der nichts zu lachen hat, angesiedelt. Zurück in der Heimat, heißt's für ihn: Vater tot, Grundstück versandelt, Mine versiegt, Jugendliebe gestohlen. Doch Ross Poldark ist ein Mann mit bereits im 18. Jahrhundert unzeitgemäßen Prinzipien. Er verschließt sich frühkapitalistischen Tendenzen, packt gern auch selbst zu – zur Freude seiner Fans manchmal mit nacktem Oberkörper.

Ansonsten ist Poldark eine konservative Angelegenheit, die sich in britischer Zurückhaltung gefällt. Liebesszenen werden nicht im Detail ausgemalt, Tugenden dafür großgeschrieben. Den Kriegsheimkehrer treibt die Sehnsucht nach Kontinuität an, auch wenn längst alles dagegenspricht. Das mag wider den Zeitgeist sein, hat aber einen Reiz, der über die sonnendurchfluteten Landschaften durchaus hinausgeht. (Dominik Kamalzadeh, 27.7.2016)

  • Ross Poldark, Titelheld der BBC-Serie.
    foto: bbc

    Ross Poldark, Titelheld der BBC-Serie.

  • bbc

    Trailer zur ersten Staffel.

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