Der erste Ferialjob – eine lohnende Erfahrung

Blog29. Juli 2016, 07:44
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Viele Jugendliche profitieren von den Erfahrungen, die sie beim Arbeiten in den Ferien machen. Woran Eltern denken sollten

Loretta möchte gerne in den Sommerferien ein wenig Geld dazuverdienen. Außerdem interessiert es die 14-Jährige, einmal ein bisschen in die Arbeitswelt hineinzuschnuppern. Die Eltern finden die Idee ihrer Tochter gar nicht so schlecht, und gemeinsam besprechen sie, welche Arbeit für Loretta infrage käme. Loretta sucht im Internet nach passenden Angeboten, doch möchte kein Arbeitgeber ein 14-jähriges Mädchen beschäftigen.

Filip hat einen Ferialjob in einem großen Supermarkt gefunden. So kann der 16-Jährige sein spärliches Taschengeld aufbessern und muss seine Eltern nicht immer um jeden Euro fragen. Es stört ihn, dass manche seiner Klassenkolleginnen und -kollegen nicht arbeiten müssen, solche Ferien hätte er auch gerne.

Annika arbeitet in einer großen Firma im Büro. Dort muss sie Akten sortieren, Zetteln ablegen und archivieren, Kaffee für die Mitarbeiter kochen, Jause im nächstgelegenen Supermarkt kaufen gehen und Hilfstätigkeiten erledigen. Die 15-Jährige findet ihren Ferialjob schlichtweg langweilig und ist genervt von der täglich gleichen und wenig anspruchsvollen Arbeit. Am liebsten würde sie den Job hinschmeißen und ihre Ferien genießen. Aber das Geld, das sie dafür bekommt, ist ihre Motivation, doch dort zu bleiben und durchzuhalten.

Georg darf in diesem Jahr für einige Nachbarn in seiner Siedlung den Rasen mähen und dabei helfen, die Hecken und Sträucher zu schneiden. Dafür bekommt der 13-Jährige Geld zugesteckt, über das er sich sehr freut.

Debatten über Geld

Für viele Kinder und Jugendliche scheint eigenes Geld immer ein Streit- oder Diskussionsthema mit ihren Eltern und Bezugspersonen zu sein. Viele finden, dass ihnen mehr Taschengeld zusteht und die Ferien dazu da sein sollten, auszuspannen und sich vom großen Stress, den sie in der Schule hatten, erholen zu können. Auch stehen viele Jugendliche unter dem Druck, mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern mithalten zu wollen und ebenfalls so coole Kleidungsstücke, technische Geräte oder anderes zu haben.

Jugendliche bekommen von Eltern bestimmt oft Sätze zu hören wie: "Das ist zu teuer", "Das kannst du dir von deinem Taschengeld selbst kaufen", "So was brauchst du nicht, und überhaupt, ich muss das Geld schwer verdienen!" Eine Gratwanderung, die Eltern und Bezugspersonen da erleben. Immerhin will man den Kindern so viel bieten, dass sie dem Konkurrenzdruck standhalten können und manche ihrer Wünsche erfüllt bekommen. Die Wunscherfüllung hängt auch immer davon ab, wie die Eltern den Wunsch des Kindes bewerten und wie viel Geld zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist es für Kinder und Jugendliche von Nachteil, wenn sie den realistischen Bezug zu Geld nicht lernen, weil sie immer alles bekommen und sich nichts selbst kaufen müssen.

Neuer Blickwinkel, neue Verantwortung

Ein Ferialjob bietet die Chance, die womöglich unrealistische Perspektive von Jugendlichen auf Lohnarbeit zurechtzurücken. Deshalb ist es für den jungen Menschen durchaus eine lohnende Erfahrung, sich selbst ein bisschen Geld dazuzuverdienen und mal zu sehen, wie die Arbeitswelt wirklich ist. Den meisten Jugendlichen ist bestimmt auch klar, dass es nur einen Teil der Arbeitsrealität vieler Jobs darstellt, wenn sie nur einen Monat lang arbeiten, aber so ein kurzer Einblick in den Arbeitsalltag schadet nicht.

Seit die 15-jährige Kathi etwa mit dem Babysitten angefangen hat, merkt sie, dass es nicht immer lustig ist, Geld zu verdienen. Es ist anstrengend, manchmal fehlt ihr die Motivation dazu, denn es wäre viel aufregender, mit ihrer Clique etwas zu unternehmen, als auf das kleine Kind aufzupassen. Und ab und zu stellt sie der kleine Mann auch schon mal vor Herausforderungen.

Lohnender Einblick in die Arbeitswelt

Einer regelmäßigen Arbeit nachzugehen bedeutet oftmals, schon in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig zu erleben, dass man noch nicht erwachsen, aber auch nicht mehr unbedingt nur Kind ist.

Georg erwägt, nach dem neunten Schuljahr arbeiten zu gehen – er möchte lieber Geld verdienen als weiterhin von seinen Eltern finanziell abhängig zu sein. Er weiß auch schon, welchen Lehrberuf er haben möchte, aber auch, dass es schwierig sein könnte, eine gute und geeignete Lehrstelle zu finden. Manchmal aber, so stellt sich für junge Menschen beim Sommerjob heraus, erscheint das Lernen für die Schule eine bessere Alternative zu sein als ein 40-Stunden-Job. So passiert es durchaus, dass sich junge Menschen nach einem Sommer- oder Ferialjob doch dafür entscheiden, weiter die Schule zu besuchen.

In vielen Berufsbildenden Höheren Schulen ist ein Praktikum während der Ferienmonate üblich. Das gelernte Theorie soll in der Praxis angewendet werden. Auch diese Erfahrungen sollten ein erstes Hineinschnuppern in die tatsächliche Arbeitswelt darstellen und den Jugendlichen helfen, eine Vorstellung von ihrem gewählten Beruf zu erhalten.

Zu jung für Ferialjob

Übrigens: Nachdem Lorettas Eltern Informationen darüber eingeholt haben, ab welchem Alter ein Kind in den Ferien arbeiten darf, ist für alle Beteiligten klar: Loretta ist vom Gesetz her noch zu jung, um einen Ferialjob anzunehmen, denn Jugendliche müssen das 15. Lebensjahr vollendet haben.

Viele Jugendliche profitieren von den Erfahrungen, die sie beim Arbeiten in den Ferien machen. Sie erfahren, wie es ist, wenn man sein Geld verdienen muss und wie toll es sich anfühlt, wenn man erstmals selbstverdientes Geld bekommt, mit dem man sich dann etwas leisten kann.

Ihre Erfahrungen?

Verdienen Ihre Kinder mit kleinen Hilfsdiensten Geld? Macht Ihr Kind ein Ferialpraktikum oder arbeitet jetzt im Sommer? Welche Erfahrungen haben Sie und Ihre Kinder mit Ferialjobs? Posten Sie Ihre Erfahrungen und Ideen im Forum. (Andrea Leidlmayr, Christine Strableg, 29.7.2016)

  • Ein Ferialjob verändert oft den Blickwinkel der Jugendlichen auf die Arbeitswelt.

    Ein Ferialjob verändert oft den Blickwinkel der Jugendlichen auf die Arbeitswelt.

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