Hohe Sicherheitsvorkehrungen bei Papstbesuch in Polen

27. Juli 2016, 22:42
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Papst Franziskus verlor keine Zeit. Gleich nach seiner Landung in Krakau sprach er die Weigerung Polens an, muslimische Flüchtlinge aufzunehmen. Beim Weltjugendtag herrschen indes strenge Sicherheitsvorkehrungen

Papst Franziskus nutzte gleich die erste Gelegenheit, um die wichtigsten Themen anzusprechen, die ihn während des gesamten Weltjugendtages in Polen begleiten werden. Kurz nach der Landung in Krakau traf er sich im alten Königsschloss, dem Wawel, mit Polens Präsident Andrzej Duda, Regierungsvertretern, Kardinälen und Bischöfen des Landes.

Freundlich, aber sehr bestimmt verwies er zunächst auf die polnischen Emigranten in Europa und der ganzen Welt. Manche von ihnen wollten zurückkehren. Polens Regierung solle ihnen die Rückkehr erleichtern, andererseits aber auch Bereitschaft zeigen, diejenigen Flüchtlinge in Polen aufzunehmen, "die vor Kriegen und Hunger fliehen". Diejenigen, die ihrer Grundrechte beraubt seien oder des Rechts, in Freiheit den eigenen Glauben zu bekennen, benötigten Solidarität.

Polen weigert sich im Unterschied zu westeuropäischen EU-Staaten, muslimische Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan aufzunehmen. Dies hatte Regierungschefin Beata Szydlo kurz vor der Ankunft des Papstes und angesichts der Terroranschläge in Deutschland und Frankreich noch einmal betont.

Das Phänomen der Migration verlange "eine zusätzliche Portion an Weisheit und Barmherzigkeit, um die Ängste zu überwinden und das Optimum zu verwirklichen", so der Papst: "Gleichzeitig müssen Formen der Zusammenarbeit und Synergien auf internationaler Ebene vorangetrieben werden, um Lösungen für die Konflikte und Kriege zu finden, die so viele Menschen zwingen, Häuser und Heimat zu verlassen", sagte er.

Zum Empfang des katholischen Kirchenoberhaupts hatten Jugendliche, die aus aller Welt zum katholischen Weltjugendtag nach Krakau gekommen sind, getanzt, gesungen und gefeiert – so unbeschwert, als gäbe es keine Terrorattacken, keine Angst und Panik. Es schien, als sähen sie die schwarz uniformierten Personen nicht, die zum Teil mit Schnellfeuergewehren in den Händen ein Gefühl der Sicherheit vermitteln sollen. Mehr als 20.000 Polizisten und Sicherheitskräfte sollen Papst Franziskus und die jungen Leute in Krakau, Tschenstochau und Auschwitz-Birkenau beschützen.

Viele junge Menschen, die Angst vor einem Terroranschlag haben, scheinen gar nicht erst zu dem Treffen gekommen zu sein: Denn statt der erwarteten zwei Millionen 15- bis 30-jähriger Katholiken meldeten sich nur rund 500.000 an. Ob weitere 1,5 Millionen junge Pilger planen, ohne offizielle Anmeldung dazuzustoßen, war am Mittwoch ungewiss.

Wegen des Nato-Gipfels in Warschau Anfang des Monats hatte Polens Regierung wieder Grenzkontrollen eingeführt. Auch die Sicherheitssektoren bei den Freiluftmessen des Papstes sind kleiner als bei den bisherigen Papstbesuchen in Polen. Zahlreiche Hunde sollen Sprengstoff in Rucksäcken, Plastiktüten oder Jacken aufspüren können. Doch eine Garantie, dass am Ende nichts geschieht, kann niemand geben. Das gestehen auch Experten ein.

Iraker festgenommen

Innenminister Mariusz Blasz-czak verkündete vor Beginn des Weltjugendtags, dass in Lodz ein Iraker verhaftet wurde, an dessen Gepäck "Spuren von Sprengstoff" entdeckt wurden. Beata Kempa, die Büroleiterin von Premier Beata Szydlo, setzte im Privatsender TVP24 auf den verstorbenen polnischen Papst: "Wir haben einen Pakt mit dem heiligen Johannes Paul II. geschlossen. Wir sind Menschen mit einem großen Glauben. Wir fürchten uns nicht."

Im Gegensatz zu seinem Vorvorgänger steht der nunmehrige Papst Franziskus bei konservativen Kirchgängern in Polen in der Kritik, weil er Flüchtlingen, darunter auch Muslime, die Füße wusch. Dass er forderte, die katholische Kirche müsse sich bei den Homosexuellen und anderen von der Kirche benachteiligten Gruppen entschuldigen, hatte immerhin zur Folge, dass der Krakauer Kardinal erstmals – wenn auch immer noch inoffiziell – homosexuelle Katholiken traf.(Gabriele Lesser aus Warschau, 27.7.2016)

  • Mehr als 20.000 Polizeibeamte und Sicherheitskräfte bewachen das Festgelände.
    foto: afp photo / joe klamar

    Mehr als 20.000 Polizeibeamte und Sicherheitskräfte bewachen das Festgelände.

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