Nächtigungsrekord und Wunsch nach weniger Bürokratie im Tourismus

27. Juli 2016, 14:34
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WKO: Junghoteliers bei Betriebsübernahmen entlasten und wie Start-ups behandeln – Annäherung von Hotels und Privatvermietern wie Airbnb

Wien – Österreichs Hotellerie kann eigentlich auf ein gutes erstes Halbjahr zurückblicken. Zwischen Jänner und Juni übernachteten so viele Gäste in den Beherbergungsbetrieben wie nie zuvor, mehr als 70 Millionen Nächtigungen wurden verzeichnet. Die Feiertage und die Fußball-EM ließen die Vorsommersaison im Mai und Juni verhalten starten, ein leichtes Plus ist aber auch hier zu verzeichnen.

Man sei eine "Leitbranche, die andere anschiebt", sagt WKO-Spartenobmann Siegfried Egger. Trotz der guten Zahlen sei es aber "ein schwieriges Jahr" gewesen, auch offene Baustellen gebe es noch genug. Die jüngsten Anschläge in Europa könnten zudem das Geschäft langfristig beeinflussen. "Der Gast aus Amerika sieht beim Buchen, dass Kitzbühel und München nahe beieinander liegen", so Egger.

Hotels als Start-ups

Was Egger sich für die Zukunft wünscht: "Ein klares Bekenntnis zum Konzept Familienbetrieb." Damit meint er zum Beispiel Erleichterungen bei Betriebsübergaben. Es könne nicht angehen, dass, wenn ein Betrieb an die nächste Generation geht, im Zuge einer Betriebsanlagenprüfung wieder alles kontrolliert werde. Das frustriere die neuen Chefs nicht nur, sondern koste auch viel Geld. Eggers Vorschlag: Betriebsprüfungen bei bestehenden und funktionierenden Unternehmen erst nach zwei oder drei Jahren. Weiters könnte er sich eine Lohnnebenkostensenkung für die ersten paar Jahre vorstellen, ähnlich wie sie für Start-ups angedacht wurde.

Die Mehrwertsteuererhöhung auf 13 Prozent treffe die Branche hart. Egger wünscht sich deswegen ein Bekenntnis der Politik zum Standort Österreich. Im Konkreten: mehr Geld für die Werbung, besonders inländische Gäste sollen vermehrt angesprochen werden. In Tirol kämen etwas lediglich zehn Prozent der Gäste aus dem Inland.

Digitaler Vertrieb bleibt Herausforderung

Mit den Themen digitaler Vertrieb und Konkurrenz aus dem Netz beschäftigt sich die Branche zudem schon seit längerem. Besonders kleine Betriebe hinken bei der Digitalisierung noch hinterher. Ihnen fehlen sowohl technische Voraussetzungen als auch die Zeit, sich damit auseinanderzusetzen.

Laut einer Studie wurden in Europa 2015 die Hälfte aller Buchungen online erledigt, mehr als 22 Prozent über Plattformen wie booking.com, Expedia und HRS. Direkte und telefonische Buchung verlieren immer mehr an Bedeutung.

Keine Bestpreisklauseln mehr

Dass die Hotellobby im Kampf gegen Bestpreisklauseln auf solchen Plattformen einen Erfolg verzeichnen konnte, freut Egger. Hoteliers sollten auf ihrer eigenen Homepage keinen niedrigeren Preis anbieten dürfen als auf einer Buchungsplattform, so sei es vorgesehen gewesen. Ende des Jahres wird eine Gesetzesnovelle in Kraft treten, die solche Bestpreisklauseln unwirksam machen wird.

In puncto private Zimmervermietung à la Airbnb bleibt die Forderung der Hoteliers aufrecht, Belastungen in Form von Steuern und bürokratischen Auflagen für Hotels zu verringern und dafür auf die Einhaltung von Vorschriften bei privaten Zimmervermietern auf Onlineplattformen zu achten. In Wien gibt es mittlerweile 5.600 angebotene Unterkünfte, 70 Prozent davon sind ganze Wohnungen. Dem gegenüber stehen 65.000 Hotelbetten. Problematisch ist für die Interessenvertreter, dass sich Anbieter solcher Unterkünfte nur an geringe Auflagen halten müssten und die Vorschriften oft nicht einhalten würden. Deswegen sollen faire Rahmenbedingungen geschaffen und ein Wettbewerb "auf Augenhöhe zwischen Hotellerie und Privatvermietern" um die Gunst der Touristen möglich werden. (rom, 27.7.2016)

  • Nächtigungsrekord in Österreichs Hotelbetten.
    foto: istock /christopher p. halloran

    Nächtigungsrekord in Österreichs Hotelbetten.

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