Keine Zwischenfälle bei Kundgebung der "Identitären" in Wien

Video28. Juli 2016, 17:05
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Rund 70 Teilnehmer an Demonstration gegen Terror, 150 Gegendemonstranten

Wien – Unter dem Motto "Eure Schuld" haben Mittwochabend rund 70 Anhänger der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften "Identitären" auf dem Christian-Broda-Platz in Wien gegen Terror demonstriert. Ein Redner lieferte dabei überraschende Schuldige an den islamistischen Anschlägen der vergangenen Wochen: die österreichischen Grünen.

derstandard.at

"Meinungsdiktatur" und Schuldzuweisungen

Die seien nämlich für die Flüchtlings- und Migrationsströme verantwortlich. Beklagt wurde auch die "Meinungsdiktatur", außerdem erfuhr man in diesem Zusammenhang, dass ORF-Moderator Armin Wolf und Regisseur David Schalko "uns den Krieg erklärt haben", was bedauerlicherweise nicht näher ausgeführt wurde. Verteilt wurden auch Flugblätter mit Bildern und Namen von Opfern von Nizza, für die eine Schweigeminute abgehalten wurde.

Protest gegen Rechtsextremismus

Umgeben waren die Teilnehmer von Polizisten und deren Absperrgittern, die auf der Mariahilfer Straße für 100 Meter Niemandsland sorgten. Außerhalb dieser Zone fanden sich rund 150 Menschen zusammen, um bei einer von den Grünen angemeldeten Kundgebung gegen Rechtsextremismus zu protestieren.

Aufruf: Flugblätter bei Grünen einwerfen

Um 19.30 Uhr lösten sich die Versammlungen auf, die Linken zogen danach noch für eine halbe Stunde zur grünen Parteizentrale in die Lindengasse, da die "Identitären" von ihrem Redner aufgefordert worden waren, die Flugblätter dort in den Postkasten zu werfen. Da sich kein rechter Recke blicken ließ, kam es dort ebenso wenig zu Zwischenfällen wie in der Mariahilfer Straße.

Im STANDARD-Gespräch reagiert Thomas Sellner, Leiter der Identitären-Niederösterreich, auf die Aktion der Wiener Grünen, 10 Euro pro Demoteilnehmer an die Caritas zu spenden, verärgert. Die Caritas sei eine Organisation, die "im Endeffekt Schlepperei mitfinanziert."

Caritas Auslandshilfe-Generalsekretär Christoph Schweifer sagt zu den Vorwürfen: "Die Behauptung von Herrn Sellner ist ganz klar falsch und zurückzuweisen. Darüber hinaus werden damit auch Helferinnen und Helfer kriminalisiert. Gezielte Falschaussagen wie diese schaden uns als Gesellschaft, Menschen in Not und allen Hilfsorganisationen." (Michael Möseneder, Video: Christian Fischer 27.7.2016)

  • Veranstaltung der rechtsextremen Identitären nahe dem Westbahnhof.
    foto: standard/christian fischer

    Veranstaltung der rechtsextremen Identitären nahe dem Westbahnhof.

  • Banner der Gegendemonstranten.
    foto: standard/christian fischer

    Banner der Gegendemonstranten.

  • Die Polizei hielt beide Gruppen auseinander.
    foto: standard/christian fischer

    Die Polizei hielt beide Gruppen auseinander.

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