Gibbon mit Grauem Star erhielt künstliche Linsen

27. Juli 2016, 11:05
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Humanmediziner unterstützten ersten Eingriff dieser Art bei einem Kleinen Menschenaffen

Hannover – Mediziner der Tierärztlichen Hochschule Hannover haben einem Weißhandgibbon künstliche Linsen eingesetzt. "Die Trübung der Linse war sehr weit fortgeschritten. Darum gehen wir davon aus, dass der Gibbon kaum noch etwas sehen konnte", sagte der Direktor der Klinik für Kleintiere, Michael Fehr. Der Gibbon, der aus einem kleinen Tierpark stammt, habe die Operation gut überstanden.

Die beidseitige Linsentrübung war dem Tiermediziner zufolge vermutlich angeboren. Laut Fehr lagen weltweit keine Erfahrungen mit dem Einsetzen künstlicher Linsen bei einem Kleinen Menschenaffen vor. "Diese sogenannte Katarakt ist bei Affen sehr selten." Beim Menschen ist die Sehbeeinträchtigung, die auch bei Hunden häufig vorkommt, als Grauer Star bekannt. Für die mehrstündige Operation des Gibbons gab es Unterstützung aus der Humanmedizin: zwei Ärzte einer Augenklinik in Hannover.

Auf dem Weg der Besserung

Derzeit erholt sich der Gibbon in der Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen. Leiter Florian Brandes berichtete, dass sich der operierte Affe auch Tage nach dem Eingriff noch sehr vorsichtig verhält. "Er scheint uns aber auch manchmal zu veräppeln. Wenn er mein Kommen nicht bemerkt, bewegt er sich viel schneller durchs Gehege."

Da der Gibbon keine Versuche unternahm, sich an den Augen zu reiben, scheinen ihn die neuen Linsen oder der Eingriff am Auge nicht zu stören. Brandes: "Er wird immer munterer, hält die Augen offen und es scheint, als ob er seine Umgebung und die Gegenstände beobachtet, er reagiert auf Bewegung und bewegt sich mit einer Geschwindigkeit durch das Gehege, die wir vor der Operation nie beobachten konnten."

Knochen gerichtet

Ein Artgenosse und direkter Verwandter des Augenpatienten, der aus demselben Tierpark stammt, litt unter einem älteren Bruch beider Unterarmknochen in der Nähe des Ellenbogens. Dieses Tier wurde ebenfalls operiert. Fehrs Team richtete die Knochen und stabilisierte den Bruch mit einer Platte und Schrauben. Und auch hier kann Brandes von einem Erfolg berichten: "Schon am nächsten Tag benutzte der Gibbon seinen operierten Unterarm. Bis jetzt zeigt er eine ungestörte Bewegungsaktivität." (APA, red, 27. 7. 2016)

  • Der Gibbon vor der OP: Die Linsentrübung ist deutlich zu sehen.
    foto: f. brandes

    Der Gibbon vor der OP: Die Linsentrübung ist deutlich zu sehen.

  • Seit der OP hat der Gibbon wieder einen klaren Blick.
    foto: f. brandes

    Seit der OP hat der Gibbon wieder einen klaren Blick.

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