Gemälde-Analyse: "FoodPorn" gab es bereits in der Renaissance

27. Juli 2016, 16:40
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US-Wissenschafter untersuchten Bilder der vergangenen 500 Jahre hinsichtlich der dargestellten Nahrungsmittel

New York – Nahrungsmittel, die dieser Tage eher als ungesund angekreidet werden, übten schon seit Jahrhunderten eine große Anziehungskraft auf uns aus. Wissenschafter der Cornell University haben Gemälde von Essen aus den vergangenen 500 Jahren ausgewertet und fanden dabei vieles, wovor Ernährungsexperten heute abraten: Salz, Fleisch und Brot in Hülle und Fülle.

Zu viel Brot und Fleisch und zu wenig Obst und Gemüse: Diese eher unbekömmlichen Vorlieben sind keine moderne Erscheinung. Brian Wansink und seine Kollegen vom Cornell Food and Brand Lab entdeckten die gleiche Schieflage, als sie Renaissance-Gemälde von Familienmahlzeiten untersuchten. Von den 36 Bildern zeigten 31 Brot, 22 Fleisch und nur acht Gemüse.

Dabei spiegelte die Darstellung keineswegs wieder, welche Nahrungsmittel einfach zu bekommen waren, wie die Cornell University am Dienstag mitteilte. Das am häufigsten gemalte Gemüse war beispielsweise die Artischocke, die häufigste Frucht die Zitrone und das häufigste Fleisch waren Krustentiere wie Hummer.

Luxeriöse Nahrungsmittel

Gezeigt wurden also eher Nahrungsmittel, die selten und schwer zu beschaffen waren und daher als luxuriös galten oder ästhetisch ansprechend waren – ähnlich wie heute Fotos von besonders aufwendigen oder optisch reizvollen Gerichten unter dem Hashtag "#FoodPorn" über soziale Netzwerke geteilt werden.

"Unsere Liebesaffäre mit visuell ansprechenden, dekadenten oder statusträchtigen Lebensmitteln ist nichts Neues. Sie war schon vor 500 Jahren etabliert", kommentierte Studienautor Andrew Weislogel vom Johnson Museum of Art der Cornell University in der Mitteilung. Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Forscher im Fachjournal "Sage Open". (APA, red, 26.7.2016)

  • Gemälde der Renaissance und frühen Neuzeit  – hier ein Stillleben von Davidszoon de Heem (1648) – geben nicht unbedingt wieder, was allgemein verfügbar war.
    foto: archiv

    Gemälde der Renaissance und frühen Neuzeit – hier ein Stillleben von Davidszoon de Heem (1648) – geben nicht unbedingt wieder, was allgemein verfügbar war.

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