Großes Russenteam für Rio zeichnet sich ab

26. Juli 2016, 15:48
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Trotz vom IOC verkündeter verschärfter Zulassungskriterin dürften bis zu 300 Athleten bei den Spielen dabei sein – Deutscher Diskus-Held Harting schämt sich für Bach

Köln – Die Entrüstung nach der IOC-Entscheidung gegen einen Komplett-Ausschluss des russischen Teams von den Sommerspielen in Rio hält mit unverminderter Stärke an. "Ich schäme mich für Thomas Bach", sagte der deutsche Diskus-Olympiasieger Robert Harting am Dienstag und stellte sich die Frage, ob sein Landsmann als IOC-Präsident "noch tragbar ist".

"Er ist für mich Teil des Doping-Systems, nicht des Anti-Doping-Systems", sagte Harting. Nach der IOC-Entscheidung sei für ihn ein Stück die "Welt untergegangen." Das IOC habe mit Bach an der Spitze "eine neue Enttäuschungsdimension erreicht". Die Entwicklungen der vergangenen Tage, ein russisches Team trotz der Beweise für ein systematisches und staatlich geschütztes Dopingsystem nach Rio zu lassen, sei "einfach peinlich". Dass die russischen Leichtathleten weiter gesperrt sind, bezeichnete Harting als "richtige Maßnahme. Das ist vielleicht ein Weckruf."

Trotz vermeintlich verschärfter Zulassungskriterien wird wohl ein großes russisches Team in Rio an den Start gehen. Vermutlich werden es 250 bis 300 Athleten sein. Noch liegen zwar längst nicht alle Entscheidungen der Weltverbände vor, wie viele Sportler wegen ihrer Verbindungen zum nachgewiesenen Staatsdoping in Russland tatsächlich gesperrt werden, der Trend zeichnet sich deutlich ab.

Bis Dienstag wurden insgesamt erst 18 gesperrte Sportler benannt. Nur namentlich im McLaren-Report erwähnte sowie früher schon dopinggesperrte Athleten wurden bislang ausgeschlossen.

Das größte Kontingent stellt der russische Schwimmverband, der trotz sieben gesperrter Schwimmer noch 66 Sportler entsendet. Hinzu kommen unter anderem 30 Volleyballer (inklusive Beach), 16 Fechter, 14 Handballerinnen und 11 Judoka.

Wie viele der 18 nominierten Radsportler aufgrund einer Dopingvergangenheit ausgeschlossen werden, steht ebenso noch nicht fest wie die Entscheidung der Gewichtheber. Laut McLaren-Report hatte es in dieser Sportart im Zeitraum zwischen Ende 2011 bis August 2015 117 vertauschte Dopingproben gegeben, die zweitmeisten nach der Leichtathletik (137).

Bei den Radsportlern hatte es 26 vertauschte Proben, bei den Ringern 28 gegeben. Auch die Entscheidung des Ringer-Weltverbandes UWW steht noch aus. (sid, red, 26.7. 2016)

  • So umfangreich wie in London 2012 wird Russlands Aufgebot in Rio wohl nicht werden.
    foto: reuters/blake

    So umfangreich wie in London 2012 wird Russlands Aufgebot in Rio wohl nicht werden.

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